Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 4 (April 1881)
- Article
- Das Land "Hagar" in der hebräisch-mittelalterlichen Literatur
- Date
- 1881-04-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
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Das Land ״Hagar" in der hebräisch-mittelalterlichen Literatur. lüv men Wiedergaben, läßt sich kaum Etwas folgern, am allerwenigsten aber, wie Löw meint, daß sie auf spanische Juden hinweist, ״da j vor e und i fast wie das spanische g?fingt." Wäre hier unter ״Hagar" wirklich eines der ״arabischer Königreiche in Spanien" zu verstehen, so käme nicht die spanische Aussprache oder Schreibweise, sondern sicherlich die arabische in Betracht. Die fehlerhafte Orthographie des Scheidebriefes weist vielmehr, wenn wir überhaupt Etwas aus ihr folgern dürfen, eher auf ungarische, als auf spanische oder arabische Juden hin 1). Es liegt also durchaus keine Ursache vor, anzunehmen, daß Isaak b. Abraham unter ״Hagar" ein anderes Land verstanden haben sollte, als der säst um dieselbe Zeit lebende Isaak Or-Sarua, nämlich Ungar n. Die zweite Streitfrage bildet eine Stelle im Raschi-Com- ') In dem Scheidebriefe sind die Namen der Stadt Bo urges und des Flusses Cher falsch geschrieben. Bourges, bei den französischen Juden באורייש, war hier מחיש geschrieben, also das französische *go« durch den Buchstaben *z* ausgedrückt, was der alten ungarischen Orthographie entspricht, welche das heute übliche »z's« , das dem Lautwerthe nach das französische »ge« ist, mit einem einfachen »r« zu schreiben pflegte. Spanier hatten hier ein »j«, Arab c r ein X geschrieben. Der Cher- Fluß, bei den französischen Juden קייר (über diese Schreibung vgl. Stein- Hardt a. a. O. das.) war hier ייר geschrieben, was Isaak b. Abraham mit den Worten entschuldigt: ״Da es im Hebräischen keinen Buchstaben flieht, der dem Französischen (nämlich dem »o h«) entspricht, ist es ganz gleich, ob man ein י oder ein ק dafür (für »ch«) setzt." Offenbar ist das der Sinn des כיון שאץ שום אוח במקובם הלעז כך שוה ירד בכוחכם קו״ף, von welchem Satze Me'l'r aus Padua (Kagenellenbogen), der sich (NGA. Nr. 11) auf dieses Gutachten Isaak b. Abraham's beruft, sagt, daß er ihn nicht klar verstehen könne. Die abweichende' Schreibung der Namen in dem in Rede stehenden Scheidebriese ist übrigens kaum aus die eigenthümliche Aussprache der Juden in ״Hagar" zurückzuführen. Die Rabbiner, welche dort den Scheidebrief ausgestellt haben, ließen die ihnen unbekannten französischen Eigennamen offenbar so schreiben, wie der betreffende Jude aus Frankreich, der ihn ausstellen ließ, aber die in Frankreich rezipirte Schreibweise selber nicht kannte, es ihnen in die Feder dictirt hat. i