Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 3 (März 1881)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829542-2829546--20131-2872695- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 Recensron. Unkenntnisi, bisweilen wohl auch die Verkteinerungssucht nicht damit, daß sie, wie es billig wäre, die wahren Wurzeln bloßlegt, aus denen der ״Lebensbamn" hervorwächst, sondern daß sie das erste beste, das parasitisch an den Baum sich angesetzt, ihm freilich bisweilen die besten Säfte entzieht, aber doch auch von einem geschickten Gärtner so entfernt werden kann, daß der Baum, statt zu leiden nur noch mehr gedeiht, daß sie dieses Zufällige und Parasitische, sage ich, mit einer gewisien Vorliebe als das Judenthum characterisirend bezeichnet. Der Verfasser der vorliegenden Abhandlung will daher nicht etwa den unmöglichen Beweis führen, daß die geschichtliche Erscheinung des Jndcnthnms frei ist von abergläubischen Farben und Strichen, sondern nur, daß, wo der Aberglaube die reinen dogmatischen und ethischen Vorstellungen des Judenthums trübt, diese Trübung selbst wieder nicht aus dem Grundwesen des Judenthums stammt, sondern aus den irdischen Bedingungen, Venen jede wahre Idee, wenn sie sich geschichtlich verwirklicht, unterworfen ist, nämlich nicht ganz rein und unvermischt, sondern durch Fremdes entstellt, zu erscheinen. Es gelingt ihm zu zeigen, daß je näher wir den eigentlichen Quellen kommen, aus denen die Lebenswasser des Judenthums fließen, desto weniger heidnische Trübung durch Aberglauben anzutreffen, und daß erst verhältnißmäßig spät dem lauteren Strome der jüdischen Dogmatik und Ethik Unlauteres und Phantastisches zugeführt worden. Dieser Nachweis wird historisch geführt, indem der Verfasser alle Phasen der jüdischen Religionsgeschichte in Rücksicht auf ihre Stellung zum Aberglauben untersucht. Er betrachtet in dieser Hinsicht׳. A. Den Pentateuch. B. Die übrigen biblischen Bücher. 0. Die MLschna. D. Die Gemara. E.j Die Geonim. F. Die Rabbinen der arabisch-spanischen Literaturperiove. 6-. Die Rabbinen der deutsch-polnischen Literatur- Periode. Das unter E, F, Q* zu Behandelnde steht freilich noch aus und ist einem späteren Hefte Vorbehalten. Was den hier behandelten Theil angeht, so liegt zunächst etwas Befriedigendes in dem Anblick der Fülle, aus welcher der Versafler sein Material bestreitet. Man sieht, haß es nicht mühsam aä hoc Zusam-