Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 3 (März 1881)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 1)
- Language
- German
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Recenston. 139 Iiecenfton. Der Aberglaube und die Stellung des Judenthums zu demselben. HeftI vonOr. D. Josl, Seminar-Rabbiner. Es giebt bekanntlich nichts Naturgemäßeres als den Aberglauben, aus dem einfachen Grunde, weil es nichts Naturgemäßeres für den Menschen giebt als den Glauben an ein Uebersinnlichcs, der aber;tun Aberglauben entartet, so oft dieses Uebersinnliche niedrig, roh oder phantastisch statt ideal und edel aufgefaßt wird. Das Judenlhum hat das menschliche Bedürfniß nach dem Uebersnmlichen durch die Proclamirung seiner Gottesidee in einer Reinheit befriedigt, daß die rohe und phantastische Befriedigung innerhalb desselben zu einem Widerspruch seiner selbst sich gestalten muhte. Wo Gott ist, kann nicht Vaal sein; wo Leitung durch ein heiliges und Heiligung des Lebens forderndes Wesen ausgestellt ist, da hat zauberischer und magischer Spuk keinen Platz. Darum weist die Lehre Mosis alle Art von Zauberei und Wahrsagerei aus dem Lande. Darum kann ihr richtig aüfgefaßtes Princip durch alle geschichtlichen Zeiten uns dazu dienen, innerhalb des sich entwickelnden Judenthums selbst das Unjüdische an dem Stempel zu erkennen, daß es sich nicht vereinigen läßt mit dem Gebote: ״Ganz sollst du sein mit dem Ewigen, deinem Gotte." Ich sage das Unjüdische im Judenthum selbst. Denn das Judenthum in seiner Reinheit ist eine Idee, die sich im Kopfe eines Moses, eines Jesaias, im Mittelalter wohl auch im Kopfe eines Maimonides verwirklicht hat, kann aber Ln seiner sonstigen geschichtlichen Ausprägung nicht gefunden werden ohne Ausscheidung des Ungehörigen. Es ist darum ein glückliches Thema, das sich der Verfasser unserer Abhandlung gewühlt, das Judenthum auf seine Stellung zum Aberglauben zu prüfen. Was Judenthum ist, das beantwortet ja die