Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 3 (März 1881)
- Article
- Zur Geschichte der nachexilischen Hohenpriester
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829542-2829546-2872636--20091-2872660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
105 Zur Geschichte der nachexilischcn Hohenpriester. Kometen, der fast ein ganzes Jahr über Jerusalem sichtbar gewesen sein soll. 2) Ein Licht in der neunten Stunde der Nacht (3 Uhr nach Mitternacht) habe Tempel und Altar so hell umstrahlt und fid) eine halbe Stunde gehalten, das; man eS für Tageshelle gehalten '). 3) Eine zum Altar geführte Kuh habe ein Lamm geworfen. 4) Das Aufspringen der innern Tempelpforte *). 5) Wagen und bewaffnete Schaaren waren in der Luft sichtbar gewesen. Endlich 6) Ein Geräusch wäre von den in der Nacht von dem innern Vorhof zur Zeit des Pfingstfestes betretenden Priestern vernommen worden, welches deutlich die Worte habe Horen lassen: ״Wandern wir von hier aus" *). Von allen diesen Schreckeuserscheinungen haben die talmudischen Quellen nur die eine von dem Aufspringen der Tempelpforte mit Josephus gemeinsam. Die übrigen bei Josephus klingen wie römische xorteutu, namentlich) das ״exire Deos“ s). Er hat sie vielleicht auch nur für den Geschmack seiner heidnischen Lehrer zugestutzt. Dagegen klingen die in den talmudischen Quellen ausgezählten gar nicht so wunderbar. Sie stimmen ') Diese Erscheinung scheint auch in der Mischna erwähnt zu sei», aber nicht als Wunderzeichen. Es heißt nämlich, der Vorsteher der Priesier habe jeden Morgen vor dem Beginn des Morgenopsers genau nachsehen lassen, ob der Tan wirklich anbreche. Denn einmal sei es vorgckomme», daß das Mondlicht den Osten so hell erleuchtet hat, daß die Priester davon getäuscht, es für den Tagesanbruch gehalten und den Dienst im Tempel begonnen haben t^onia II, l- 2): שפעבש י־־1ר1ח עלה מאזר הלבנה ודימה שהאיר המזרח ושחטו את התמיד והוצאות לכית השריפה, vgl. Jeruschalnn z. St. ') Josephus hat diesen Vorfall nicht richtig erzählt. Er giebt an, daß die wachthabenden Leviten in der Nacht Anzeige von der ausgcsprungenen Pforte gemacht hatten. Das ist aber gegen die Gepflogenheit. Denn Wache wurde nur in den Vorhäfen des Tempels gehalten, nicht im Innern, welches in der Nacht von Keinem betreten wurde. Dagegen ist in den talmudischen Quellen richtiger angegeben: man habe des Morgens die Pforte offen gefunden. ') Dieses erzählten Tacitus und Svcton, wohl Josephus nacherzählt.