Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 11 (November 1880)
- Article
- Ein Beitrag zur Geschichte der Juden im ehemaligen Herzogthum Ostfranken
- Date
- 1880-11-01
- Page
- Seite 506 (sequence 11)
- Language
- German
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506 Ein Beitrag zur Geschichte der Juden Eine sehr eigenthümliche Stellung nehmen um dieselbe Zeit die Juden in Nödelsee ein. Dieser bamberg'sche Flecken gehörte mehreren Herren. So hatten die Grafen zu Castell beiläufig die Hälfte des Dorfes zu Eigenthum, während die v. Crailsheim und ein gewisser Martin Zoller über die andere Hälfte ״herrschten". Gegen die Mitte des 16. Jahrh. drangen nun die beiden Letzteren, unterstützt von ihren Unterthancn, auf die Ausweisung der Juden aus Nödelsee. Die Unterthanen des von Castell suchen auch ihren Herrn dazu zu bewegen, das! er seine Juden austreiben lasse, erhalten aber aus ihre, mehrere Beschwerden enthaltende Eingabe folgende charakteristische Antwort: .... . . ״Die Jüden belangend, Stoffel Kaiser du loser man, siehestu sonsten keine Jüden alb die meinen. Du würdst mein (meine ich) genug finden, gedenke an mich. Wann meine Jüden allein den Flecken beschweren, So bin Ich erpietig, dasselbig bey Ihnen abzuschasfen, es kauffte mannicher gern ein Ding, da er nurn das geld hette, suechet ein Wenig unter euch selbst, Ir möchtet Vielleichts finden, die grössern Wucher treiben, als eben meine Jüden, Vnd doch Christ sein wollen, da hette euer Pfarrherr Wohl Vrsachen, sich von solch getaufften Jüden hinwegke zu thun, Nnd nicht von der Jüden wegen!" Da aber die beiden Mil- Inhaber des Dorfes vom Kaiser einen Ausweisungsbefehl erwirkten, strengte der Graf v. Castell einen Prozes! dein! Kammergerichte an. Die Acten sind zu umfangreich, uin auch nur auszugsweise hier mitgetheilt werden zu können. Ein Zeuge wird vom klägerischen Anwalt befragt, ob er denn nicht wisse, daß derselbe Herr v. Crailsheim, der jetzt seine Juden austreiben wolle, beim Ankauf viel weniger Juden auf seinem Gebiete wohnen hatte, als jetzt nach 12 Jahren; ob denn nicht der beklagte v. Crailsheim sogar Synagoge und Judenschule erweiterte und zugelasse» habe, ״daß Frembde dahin aufs da» Studium gezogen, Wie auff ein hohe schuel." Der Graf