Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1880)
- Article
- Die alten jüdischen Katakombeninschriften in Süditalien
- Date
- 1880-10-01
- Page
- Seite 443 (sequence 11)
- Language
- German
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Die alten jüdischen Katakombeninschriften in Süditalien. 44$ des Hebräischen beflissen haben muß, oder, was ans dasselbe hinan-- läuft, daß sich im Hebräischen kundige Männer in ihrer Mitte niedergelaffen haben. Um so auffallender ist es, daß in den römisch-jüdischen Inschriften gar so wenig Hebräisch vorkommt. Sollte die römisch-jüdische Gemeinde so sehr dem Hebräischen entfremdet gewesen sein? Es ist kaum denkbar, da daselbst gesetzeskundige Männer aus Palästina nach Rom exilirt wurden, oder sich freiwillig angesiedelt haben (man denke an: חודום איש רוסי und ר׳־ סחיא כן חרש. Hat man doch in Nordspanien, in Tortosa *), ein *) Von der trilmguen Grabinschrift von Tortosa. welche le Blant und Ernest Renan zuerst veröffentlicht haben (Revuo Archeologique, 1860 p. 345 fg.) und Hübner rcprobucirt hat (Inscripp. Hispania Christianae), spricht auch Professor Ascoli in dieser Schrift und giebt eine Berichtigung der hebräischen Inschrift, welche die Vorgänger nicht entziffern konnten (p. 12). Indessen ist dieses Epitaph doch noch nicht vollständig erläutert. Die beiden französischen Paläographen waren mit ihrer Annahme im Irrthum, das; die griechische Inschrift ein künstliches Product sei. um der in Spanien aufgekommenen Mode, griechisch zu schreiben, zu huldigen. Aber bei einem Trauersalle einer Mode zu folgen, wäre übel angebracht. Viel erklärlicher ist die dreisprachige Gestalt dieser Inschrift, dab die jüdische Gemeinde von Tortosa oder wenigstens ein Theil derselben aus einem griechischen Lande stammte und daher sich des Griechischen, gewissermaszen als der Mutterspräche, bedient. Sie hat aber nach und nach sich auch die lateinische Landessprache angeeignet und zu dem noch erlernt, sich des Hebräischen zu bedienen. Daher ergab es sich von selbst, das Epitaph in diesen drei Sprachen zu geben. — In dem hebräischen Theile scheint ein Wort nicht richtig gelesen zu sein, und dieses gab zu der irrthümlichen Annahme Veranlassung, das; inmitten des Hebräischen das griechische Wort Wp (xvqo) gebraucht sein soll. Diese Conjectur ist grundfalsch, schon aus dem Grunde, weil damit noch nicht das Wort ולקירא erklärt ist, und weil die ״Herri n" griechisch nicht xvqu sondern xvQta lautet. Ich würde eine andere Lesung im Hebräischen vorschlagen. Die hebräische Inschrift ist bis auf dieses eine Wort durchaus verständlich: שלום על ישראל הקני הזה של בלליושא בח יהודה ולקירא (ונקרא) מרים זכרונה חוד לברכה נשמחה לחיי העולם הבא נפשה כ^רור החיים אפן Die Verstorbene führte in der Landessprache den Namen B e l l i o s a.