Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 9 (September 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-09-01
- Page
- Seite 424 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829528-2829538-2872329--19781-2872379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
424 Beitrüge zur vnglciclk'iiden Sagen- und Mürchcnlnnde. einem alten Brunnen her. Das Voll nennt diesen Kopf mit dem weitgeöffneten Munde: Bocca della Veritä, ״Mund der Wahrheit" und sieht Virgil als dessen Urheber an. Dieser Mund hatte die Eigenschaft, daß er jeder der Untreue »»geklagten Frau, die bei ihrem Reinigungseide zur Bekräftigung desselben die Hand hinein stecken mußte, diese unsehlbar abbitz, wenn die Frau einen falschen Schwur that. Eines Tages jedoch, als eine Frau von ihrem eifersüchtigen Gatten zu diesem Schwure gezwungen wurde, bestimmte sie ihren Geliebten, sich unkeilntlich zir machen, und die Nolle eines Irrsinnigen zu spielen. So sollte er sie aus dem Wege dahin umarmen. Die Frau schwor nun, das! sie außer ihrem Manne nur noch dieser Irrsinnige berührt habe. Durch diese List rettete sie ihre Hand, aber die ״Iloeea" verlor ihre Kraft. (S. von d. Hagen, Briese in die Heimath, Bd. III S. 100 und 130.) Es ivürde mich hier zu weit führen, wollte ich die zu dieser Geschichte vorhandenen zahlreichen Parallelen auch nur flüchtig «ingehen. Weiter unten, bei der Jehandlung der rabbinischen Parallelen wird es eher am Platze sein. Hier interessirt uns nur der Zug, daß die Bocca clella "Veriti durch einen zweideutigen Schwur ihre wunderthätige Kruft verliert, ganz wie die wunderthätige Glocke unserer Legende. Ein innerer Zusammenhang, wenn auch lein unmittelbarer, wird schwerlich zu läugnen sein. Um aus unsere ursprüngliche Erzählung zurückzukommen, so scheint sie, wie schon beiläufig bemerkt, nichts anderes zu sein, als eine orientalische Rechtssage, die an metreren Orten localisirt worden ist. Auf den Orient als Heimath wüst einerseits die Erzählung in der rabbinischen Litteratur und die Behändlung derselben in der muselmännischen Legende. Bei Conon ist der Hauptträger ein Milesier, und der Geldwechsler steckt das Geld in ein Rohr vuqihfa was dem rabbinischen קנה genau entspricht; und schließlich ist die Quelle für Bincenz von Beauvais eine Legendensammlnng (vita 8. Nicolai), die ihre Elemente