Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 9 (September 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-09-01
- Page
- Seite 423 (sequence 2)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde. 423 Land gegen sie Krieg führen wollte; und sich rüsteten, sie überfielen und sie so täuschten." Durch die Habsucht der Senatoren ging dieses Wunderwerk des Virgil zu Grunde. Spazier, Altenglische Märchen I, S. 115 ff. Dieselbe Sage findet sich schon viel früher bei Neckani (XIII. Jhdt.) im sechsten Buche seincs Werkes äe Naturis rerum, Dnnlop S. 186; ja schon in der Wessobruuner Handschrift aus den» achten Jahrhundert, welche das deutsche Allitterationsgebet enthält, und ist in eine ganze Anzahl Sagenbücher des Mittelalters übergegangen, so in die Sieben weisen Meister der franz. Fassung (ed. Keller) Gesta roaanorum etc. €. v. d. Hagen, Gesammtabenteuer Bd. III, S. LXXXII ff. Auch hier wird also der Berrath, der an No1> geübt wird, durch eine wunderbare Glocke verkündet. Vgl. die arabische Sage ans Aegypten (Wüstenfeld in Orient und Occident I S. 33!) f.), der zufolge eine Königin, Namens Dalkka, eine Mauer von Syene bis El 'Arisch baut und Wachen darauf stellt, die Glocken ziehen, wenn sich ein Feind naht. Ob die ״Rügenglocke" Gest» rom. o. 105 die in unzähligen Variationen bekannt ist (s. Oesterley daselbst s. 728) will ich noch dahin gestellt sein taffen. An» geläufigsten ist uns du Parallele aus der französischen Karlssage: ״Der Kaiser und di« Schlange" (Grimm, Deutsche Sagen ed. 2 Nr. 459, Bd. II S. 119s.), wo die Schlange an der Glocke zieht und beim Kaiser Rechtsspruch fordert. Gehen wir nun zur zweiten Virgilsage über, so ist der Inhalt derselben kurz folgender: Virgil machte zu Rom auch eine eherne Schlange, in deren Rachen jeder, der einen Eid a b l e g t e, die Hand stecken mußte, und wenn er falsch schwur, so wurde tkm die Hand abgebissen. Diese Sage ist nun in Rom bei der Kirche Santa Maria in Cosinedin localisirt, wo sich in der Lorhalle derselben ein großes, rundes Gesicht mit einem ungehmren Munde befindet. Wahrscheinlich rührt es von