Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 9 (September 1880)
- Article
- Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
- Date
- 1880-09-01
- Page
- Seite 401 (sequence 17)
- Language
- German
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Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte. 401 zeige. Dieser ließ die Wettenden vor sich laden und sich den Schein über die Wette vorlegen. Darauf wandte er sich an den Christetl und sprach: ״Du Haft das Recht, dem Juden ein Pfund Fleisch auszuschneiden, aber nimm dich in Acht, wenn du auch nur eine Drachme mehr oder weniger ausschneidest, so bist du des Todes. So schärfe nur dein Messer, aber die Wag« soll dazu gebracht werden." Bei diesem Spruche begann der christliche Kaufmann zu zittern, warf sich dem Papste zu Füßen und entschuldigte sich, er habe gar nicht mit dem Ausschneiden des Fleischpfundes Ernst mache» wollen. Der Papst verurtheilte jedoch beide Wettenden zum Tode, den Christen, weil er den Tod des Juden beabsichtigt habe, und diesen, weil er sein Leben verwettet habe, das nicht ihm, dem Unterthanen, sondern dem Souverän gehöre. Auf die Verwendung der beiderseitigen Freunde und durch Vermittelung des Cardinals M o n t a l t o verwandelte der Papst Sixtus die Todesstrafe in Galeerenstrase für Beide. Auch davon könnten sie sich später frei machen, wenn jeder von ihnen 2000 Skudi für den Bau eines Hospitals steuern sollte. Sixtus wollte mit diesenr strengen Urtheil Furcht einflößen, und es war das erste Mal, daß er sein Straferkenntniß gemildert hat. So weit der historische Bericht des Geschichtsschreibers Gregorio Leti»). Kritiker haben die Geschichtlichkeit dieser Erzählung aus zwei Gründen bezweifelt, einmal weil die Fleischverpfandung nur auf einer Sage beruht, und dann, weil Leti's Glaubwürdigkeit über- Haupt verdächtig sei; er habe unverbürgte Geschichtchen ohne Prüfung ausgenommen und nach pikanten Anekdoten und ') Leti vita di Sixto quinto zum Jahre 1587. In den ersten Ausgaben ist diese Geschichte nicht enthalten, weil sie der B-rsasier erst später erfahren hat. In den Ausgaben von 1698 befindet sie sich in Parte terxa, libr» II p. 185 und eben so in den späteren Ausgaben, nur mit veränderter Paginazahl. 0,»״, BJMWMtotlft *xu. 9. 26