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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1880-09-01 · Heft 9 (September 1880) · p. Seite 400

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
29 (1880)
Issue
Heft 9 (September 1880)
Article
Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
Date
1880-09-01
Page
Seite 400 (sequence 16)
Language
German
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400 Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte. aus Christenhab oder aus Nachegefühl auf dem Scheine der Fleischverpfändung zu bestehen. Aber das Entgegengesetzte ist historisch belegt, daß ein Christ einmal darauf bestanden hat, einem Juden ein Pfund Fleisch an einer unnennbaren Stelle des Leibes auszuschneiden, und er hätte es vielleicht gethan, wenn nicht ein überstrenger Papst in derber Prosa ohne poetische Mummerei eS verhindert hätte. Nicht ein Legendenerzähler oder ein Ministrel oder ein dramatischer Dichter, sondern ein Geschichtsschreiber erzählt dieses Faktum mit allen Umständen, die es glaub« würdig machen. Im Jahre 1585 nahm der englische Admiral Drake die Stadt St. Domingo auf der Insel Haiti ein unb machte viele Beute. Die Nachricht davon gelangte zuerst nach Rom in einem Briefe an eineil reichen christlichen Kaufmann, Namens Paolo Maria S e c ch i, der ein Interesse daran hatte, sie zu verbreiten. Ein in der Gemeinde Roms angesehener Jllde, Namens Sansone Ceneda behauptete, die Nachricht könne nicht wahr sein, und lies; sich im Eifer zu einer unbesonnene» Aeußerung hinreißen, eine Wette gegen den christlichen Kausiilann vorzuschlagen: er setze für seine Behauptung ein Pfund Fleisch ein, wenn sich die Einnahme von St. Domingo bestätigen sollte, welches Secchi nach Belieben aus einem Theil seines Körpers mit einem scharfen Messer ausschneiden dürfe. Secchi nahm die Wette an und bot als Entgelt für die Unrichtigkeit seiner Nachricht 1000 Skudi an. Die Wette wurde schriftlich aufgesetzt und von den Betreffenden und Zeugen unterschrieben. Als die Einnahme von St. Domingo von allen Seiten derart bestätigt ,var, daß Ceneda sich für überwunden erklären mußte, bestand der Christ Secchi auf der Wette und schwor, er wolle den, Juden an der empftndlichsten Stelle das Pfund Fleisch ausschneiden, obwohl der Jude ihm 1000 Skudi bot, wenn er davon abstehen sollte. Ceneda lief m Angst zum Stadtcommandanten von Rom, und dieser machte dem Papst Sixtus V. davon An-

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