Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 9 (September 1880)
- Article
- Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
- Date
- 1880-09-01
- Page
- Seite 399 (sequence 15)
- Language
- German
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Shylock in der Sage» im Drama und in der Geschichte. 399 zu fünfzehn Jahren Zuchthaus und zum Pranger verurtheili werden würde •). Shakespeare hat damit die Gewissenlosigkeit der Christen den Juden gegenüber zeichnen wollen. Aber er hat doch die Schatten nicht gleichmäßig verthcilt. Hätte Shakespeare einem Inden die Nolle eines Hochverrätherö zugetheilt, ungefähr wie sie Marlowe in dem Juden von Malta spielen läßt, so könnte man ihn damit entschuldigen, daß er an Lopez' Schuld geglaubt hat, wie alle Welt, mit Ausnahme der Drahtzieher sie glaubte. Aber einen Shylock zu dramatisiren, zu dem ihm nicht die Wirklichkeit, sondern die Legende den Stoff lieferte, verräth zu sehr die Absicht, die Juden allgemein in der öffentlichen Meinung zu brandmarken. Shakespeare hat damit dem Theater- Publikum oder seinen aristokratischen Gönnern, welche auch Lopez, Stammgenoffen verabscheuten, eine Schadenfreude bereiten oder vielleicht gar die Königin Elisabeth, welche bis dahin die Ansiedelung der Juden unter der Maske portugiesischer Neuchristen geduldet hatte, gegen sie einnehmen wollen. Er hat dadurch die gehässigen Vorurtheile gegen die Juden in England und durch die Verbreitung seines DraniaS allüberall verstärkt. Aus dem bisher Angeführten muß es sonnenklar geworden sein, daß es thatsächlich keinen jüdischen Shylock gegegen hat, daß diese Figur ursprünglich nicht einmal der Legende angehört, sondern erst im Verlause ebenfalls durch falsche Andichtung judaisirt wurde. Shakespeare hat aber mit Shylocks Dramatisirung sich das zu Schulden kommen lassen, was er selbst so schön gegen das rahmniare andacter geltend macht: ״Sei rein wie Gold, sei weiß wie Schnee, du entgehst der Verläumdung doch nicht." Also hatte weder die Säge, noch die Ballade, noch das Drama den allergeringsten Anhalt daran, daß die Juden oder ein Jude je sich hätte die Roheit zu Schulden kommen lassen, sei es '1 Heine, Shakespeare Mädchen und Frauen T. Lll. Jessica. ׳.