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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1880-09-01 · Heft 9 (September 1880) · p. Seite 388

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
29 (1880)
Issue
Heft 9 (September 1880)
Article
Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
Date
1880-09-01
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
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388 Ehylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte. Darlehn von 1000 Gulden und zahlt noch 200 dazu, um los zu kommen. Das zweite Urtheil wegen des ermordeten Kindes lautet dem Vater gegenüber: Dieser soll dem Angeklagten seine Ehefrau überlassen, um ihr ein anderes Kind zu ersetzen, und das dritte Urtheil gegenüber dem Sohne des erschlagenen Vaters: daß der Sohn auf den Verklagten stürzen möge, um auch ihn zu tödlen. In Folge der unsinnigen Entscheidung geben auch diese zwei Klüger ihre Klage auf. Der Meisterfänger hat mit diesem Liede kein Meisterstück geliefert, denn er stellt die Rechtsentscheidungen seines bewunderten Kaisers Karl in ein recht ungünstiges Licht; zwei seiner Urtheile sind so ungerecht als möglich. Nur das Urtheil in Bezug auf den jüdischen Gläubiger rettet seine Ehre. Mau sieht, der Meistersänger hat Verschiedenartiges zusammengetragen, um nur ein Lied nothdürftig zu machen. Denn erfunden hat er den Stoff nicht. Er dichtete sein Lied gewiß zur Zeit, als die Juden bereits in der VolkSvorstellung als Sündeuböcke galten. — Ein eben solcher Nechtshandel zwischen einem Pechvogel und seinen Anklägern, worin auch der Jude ein verpfäildetes Stück Fleisch fordert, kommt auch in einenl arabisch-indischen Märchen vor; aber die Provenanz desselben ist ungewiß. Doch wären alle diese poetisch unbedeutenden Märchen und Legenden der Welt unbekannt geblieben und hätte den Juden nicht die Diffamation eingetragen, wenn nicht Shakespeare im ״Kaufnian» von Venedig" seinen Shylock geschaffen, ihin Fleisch und Blut gegeben und Leidenschaft eingehaucht hätte. Indem er ihn mit dramatischem Effekt auf die Bühne gebracht und ihm gegenüber einem Antonio gestellt, der voller Hingebung ist und den Mammon eben so verachtet, wie Sh,stock ihn anbetet, hat er einen unvergeßlichen Typus geschaffen. Dieser Typus ist mit dem Namen ״Jude" unauflöslich verbunden, und solchergestalt hat der Dichter gegen den ganzen Stamm Abscheu eingeflößt. Wie kam

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