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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1880-08-01 · Heft 8 (August 1880) · p. Seite 352

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
29 (1880)
Issue
Heft 8 (August 1880)
Article
Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
Date
1880-08-01
Page
Seite 352 (sequence 16)
Language
German
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352 Stjylod in der Sage, im Drama und in bcr Geschichte. Fleisch ״gut Fische damit zu ködern." Shakespeare staffirte seineu Shylock ebenfalls mit Geiz aus, er kannte also die Ballade von der Grausamkeit des Inden Gernutus von Venedig •). Indessen gleichviel, ob Shakespeare diese Ballade vor sich hatte oder nicht, sie beweist jedenfalls, das; die gehässge Nolle des Inden popnlür geworden ist, und daß die Erfindung dieser Figur den Weg von Italien nach England gemacht hat. Sie ist aber noch weiter gewandert nnd mich nach dem Orient gedrungen. Dort erhielt indes; die Motiviruug eine au־ dere Wendung. Der Jude lägt sich von seinem Schiltdiler ein Pfund Fleisch garautiren, weil er dessen Weib liebt und dadurch die Befriedigung seiner Sinneslnst zu erreichen hofft. Das Gerippe dieser Erzcihlnng ist einfach: Ein armer muselmännischer Händler bittet einen reiche»; Juden nur ein Darlehn von 100 Denare (Goldstücke), und verspricht ihm einen Antheil am Geivinn. Ter Jude leiht sie ihm gerne, weil er auf dessen Frau ein lüsternes Auge hat. Er stellt daher die Bedingung, dafi die Schuld binneu einer bestimmten Frist und nicht einen Tag barübev hinaus zurüügezahlt sein muffe, fönst müßte ihm ein Pfund Fleisch vom Leihe des Schuldners verfallen. Der Muselmann macht mit der entliehenen Summe gute Geschäfte und ist im Stande, noch vor der Verfallzeit die Schuld zu zahlen. Er sendet sie aber durch einen Boten, der das Geld verbraucht. Dadurch verstreicht die Frist, nnd der Jude besteht ans seinem Schein. Der Prozes; kommt vor euren Kadi, der ans Ersülluug des Vertrages erkennt. Der Muselman»» appellirte aber an eine»; zrveiteir und dritter» Kadi, »t>;d der lehte, ein. Richter in Eines a. entscheidet eben so »vie die Schöne in» DolopathoS, i»; de»; Gvstrr unb bei Floren- ') Der Editor bet Roli^uo« bemerkt zu bieser Ballade, das» Shakespeare sie gekannt habe» müsse; aber sei» Ärgmnent ist nicht stichhaltig, vgl. De- Uns a. a. O. und Simroü a. a. O. S. 2t5. 1

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