Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1880-07-01 · Heft 7 (Juli 1880) · p. Seite 321

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
29 (1880)
Issue
Heft 7 (Juli 1880)
Article
Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
Date
1880-07-01
Page
Seite 321 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829528-2829536-2872202--19661-2872249
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde. 321 statt seiner alle vorkommenden Streitigkeiten» schlichten sollte, als ihm der Engel Gabriel ein eisernes Rohr mit. einer Glocke bracht« und ihm sagte: Gott hat deine Schüchternheit mit Wohlgefallen gesehen, darum sendet er dir dieses Rohr und diese Glocke, durch die es dir leicht wird, das Recht unter Israel ailfrecht zu erhalten und nie ein ungerechtes Urtheil zu fällen. Spanne dieses Rohr in deinem Gerichtssaal auf und hänge die Glocke in die Mitte desselben, stelle den Klüger auf die eine Seite und den Angeklagten auf die andere Seite des Rohres und sprich dein Urtheil stets zu Gunsten besten, der bei der Berührung des Rohres der Glocke Töne entlockt. David war höchst erfreut über diese Gabe, verniittelst deren der Gerechte stets den Sieg davon trug, so daß Niemand mehr wagte, irgend ein Unrecht zu begehen, weil er gewiß war, durch die Glocke entdeckt zu werden. Eines Tages jedoch kamen zwei Männer vor Gericht, von denen der Eine behauptete, er habe dem Andere 1t eine Perle aufzubewahren gegeberr, die er sich ihin zurtickzuerst alten weigere. Der Angeklagte hingegen schwur, sie ihm schon zurückgegeben zu haben. David ließ, wie gewöhnlich, einen nach dem Andern das Rohr bertihren, aber die Glocke verstummte inimer, so daß er nicht wußte, welcher von Beiden wahr sprach und an der ferner» Bedeutung der Glocke zweifelte. Nachdem er aber Beide zu wiederholten Malen das Rohr berühren ließ, bemerkte er, daß der Angeklagte, so oft er dem Rohre sich näherte, dem Kläger seinen Stab zu halten gab. Er ließ nun diesen nochmals das Rohr berühren, nahm aber den Stock selbst in die Hand und sogleich fing die Glocke an zu läuten. David ließ dann den Stock untersuchen, er war hohl und die bestritte ne Perle war » darin verborgen. Wegen seiner Zweifel an dem Werthe des ihm von Gott geschenkten Rohres aber ward eS nach diesem Vorfälle wieder in den Himmel gehoben." XXIX. r. 21

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.