Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-07-01
- Page
- Seite 320 (sequence 5)
- Language
- German
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320 Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde. natürlich, wie in den oben angeführteil Parallelen, sondern legendarisch und schließt mit der obligaten Taufe des, durch das Wnnder bekehrten Juden. Vincentius, der um die Mitte des XIII. Jahrhunderts (f c. 1264) lebt, citirt als Quelle für diese Erzählung die Vita 8. ]Nikolai (״In vita beati Nicolai legitur“). Außer der Parallele bei Stobäus giebt es im Alterthum noch eine, die, was das Alter betrifft, vielleicht sogar dem Talmud den Rang abläuft. Conon, der um die Zeit des Julius Caesar unb AugustuS lebt, c: zählt v. 36 seiner «io/yrjcr«? (ed. Paris 1695 in: Hi8toria« graeeae scripdares antigui p. 280 k.) eine mit der talmndischen sehr nahe iibereinstinnnende Narrativ. ״Ein Milesier übergiebt einem Geldwechsler in Tcramene in Sicilien sein Geld zur Verwahrung. Der Geldwechsler verweigert dann die Herausgabe. Vor Gericht gezogen, greift er zu denlselden Mittel: er höhlt ein Rohr (»,«(•ע»;?) aus, legt das 1Mb hinein und giebt, während des Schwures, dein Eigenthü,ncr den Stab zu halten. Dieser, ob des Meineides ergrimmt, wirst bas Nohr voller Wuth von sich. Es zerbricht und das Geld kommt zum Vorschein. Der betrügerische Geldwechsler erhängt sich." Nach der Angabe des Gödeke a. a. £>. märe diese Erzählung auch noch im ״Voyage dans le Finistöre An. VII, 3,17“ wiederholt. Mir ist das Buch unzugänglich gewesen. Auch Cervantes kennt diese Erzählung und verlegt sie auf die Insel Sanchos vor seinen Richterstuhl. Weirden wir uns nun wieder nach dem Orient, so tritt uns diese Geschichte in einer etwas abweichenden Form entgegen. Die im Verhältniß zu den occidentalische» freiere Behandlung in der orientalischen Parallele beweist jedenfalls, daß wir es hier wahrscheinlich mit einem ursprünglich orientalischen Stoffe zu thun haben. Bei Weil: Biblische Legenden der Muselmänner S. 213 ff. hat diese Erzählung folgende Faffung erhalten: ״Schon hatte er (d. h.: David) einen Kadhi ernannt, der