Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1880)
- Article
- José da Silva, ein tragisches Opfer der Inquisition im achtzehnten Jahrhundert
- Date
- 1880-06-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829528-2829535-2872134--19568-2872151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
L der Inquisition im achtzehnten Jahrhundert. 243 schwerste Strafe für ihn nicht lange auf sich warten lasten. — Seiner Mutter LoureiM erging es nicht so gut: sie mustte bis 17. Oktober 1721», also noch 3 Jahre länger als ihr Sohn, im Kerker schmachten, ehe sie in Freiheit gesetzt wurde. Nachdem Antonio von den schweren Banden der Inquisition befreit mar, ging er wieder an die Universität von Coimbra, um daselbst seine Studien zu beenden. Als er aber zwischen 1728 und 20 in die Advoralenliste eingetragen war, überlegte er, wie er sein Benehinen einrichten mühte, um bei der Inquisition keinerlei Anstoß zu erregen, llin jeden Verdacht zu verineiden, mied er die Neuchristeu oder heimlichen Juden, erfüllte treu alle Ceremonie«, die das Christenthum gebot, und schloß Freundschaft mit Geistlichen und Männern, deren Frömmigkeit unverdächtigt war. Doch unterließ er nicht, seinem väterlichen Glauben in der vorsichtigstcir Heiinlichkeit zu huldigen. Er hatte schon damals einen unüberwindlichen Hang jum Theater und benutzte die freie Zeit, die ihiir von feinem Berussgeschäfte blieb, zur Abfassung von Theaterstücken. Er war, wie feilt Vater, Nechtsgclehrter und Advocat, hatte geheirathet und lebte ruhig, ohne Anstoß zu erregen. Doch nicht lange sollte er sich des Glückes der Ruhe und des häuslichen Friedens erfreuen. Am 5. October 1737, als Antonio den Geburtstag feiner Tochter feiern wollte, wurde er sammt seiner Frau ins Gesängniß geworfen, nachdcur man bei der genauesten Hausuntersuchung nichts als 75 Reis in Silber vorfand. — Bis zum achtzehnten October 1739 dauerte die Untersuchung bis endlich ihm die Todesstrafe verküirdigt wurde. Diese wurde auch am selben Tage noch an ihm vollzogen. So endete der Manu, der noch heute in der portugiesischen Literatur der portugiesische Plautus genannt wird. Was war sein Verbrechen? Er hatte die Eitelkeit der Kleingeister gegen sich erregt, und danrm wurde die Raserei der Inquisition gegen ihn gestachelt.