Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-05-01
- Page
- Seite 222 (sequence 8)
- Language
- German
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222 Beiträgt zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde. blieb sie in den Kleidern ungeschürzt,undals die Anderen auf die Bäume klettern, um Blu« men zu pflücken, pflückt sie die am Boden machsenden. Da näherte der Brahmane sich ihr und sprach: ״Ich möchte einige Fragen an dich richten, um einen Zweifel zu lösen; beantworte sie mir doch!" Die Jungfrau erwiederte: ״Wenn du über etwas in Ungewißheit bist, so frage!" Der Brahmane fragte: ״Als du Jungfrau das Flüßchen durchwatetest, zogst du allein die Stiefel nicht aus, während alle Uebrigeu ihre Stiesel auszogen, welchen anderen Gedanken als Jene hattest du dabei?" Die Jungfrau erwiederte: ״Dein Zweifel ist von keiner großen Wichtigkeit! Wenn ich auf der trockenen Erde wandle, so sehe ich mit den Augen Alles, was unter meinen Füßen befindlich ist, es mögen Dornen, Gestein, Scherben oder andere schädliche Dinge sein, ich kann ihnen ausweichen, weil sie vor Augen liegen, was aber auf dem Grunde deSWassers befindlich ist, kann man mit den Augen nicht erkennen. Weil ich nun befürchten muß, beim Durchwaten vielleicht auf Stacheln, Schlangen oder giftiges Gewürm zu treten und mir die Füße zu verletzen, so behielt ich die Stiefel an den Füßen." Ebenso klug beantwortet die Jungfrau auch die anderen Fragen des Brahmanen. Mit dem einzigen Unterschiede, daß es im Tibetischen eine Jungfrau ist, welche «s thut und wie Abba-Chilkijah antwortet, stimmt diese Erzählung mit unserer talmudischen sehr genau überein, in so weit nämlich es diesen Zug betrifft. Ein weiteres Moment der Vergleichung zwischen diesen beiden Erzäh« lungen ließe sich vielleicht noch darin finden, daß die Mutter der Jungfrau, als sie von ihr Abschied nimmt, der nun in die