Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-05-01
- Page
- Seite 217 (sequence 3)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenümde. 217 sitzend, wo er mit Hilfe seines Wesir'S die verschiedenen Angelegenheiten vernahm und abthat. Endlich kam die Reihe an den heiligen Mann. ״Ich grüße, sagte der König, den Herrn der Wolke. Er möge warten, bis ich diese Leute abgcfertigt habe." Als der Divan geendigt war, nahm der König den heiligen Mann bei der Hand und führte ihn in die inneren Zimmer des Palastes. Sie gingen auf diesem Wege vor einer kleinen Thür vorbei, die von einem schwarzen Eunuchen in voller Rüstung bewacht wurde. Endlich kamen sie in ein fast völlig verfallenes Zimmer, in welchen» »veder Tapeten, noch SophaS waren. Der König legte seine königlichen Kleider ab, zog einen groben ivollenen Nock an, setzte eine Derwischmütze auf den Kops und legte statt des gemöhnlichen Gürtels einen härenen Derwischgürtel an. ״Hieraus rief er seine Gemahlin an : ״W eist t dl», >ve r heute unser G a st ist?" ״Ja, antivortete eine Stimme Hi1»ter einem Vorhänge, es ist der Gebieter der Wolke." Die Königin trat hervor. Sie mar schön »vie der Vollmond, aber statt Purpur u»»d Gaze »var sie ebenfalls in ein sehr grobes »vollenes Zeug gehüllt. ״Du bist verwundert, mein Bruder, sagte der König, uns in diesem Aufzuge zu sehen, aber höre auch die Ursache. Da ich durch meine Geburt genöthigt »vor, den Thron meiner Vorfahren zu besteigen, so beschloß ich, »venigstens ein einfaches religiöses Leben mit den Pflichten meines Standes zu vereinigen. Ich beschäftige mich am Tage mit den Angelegenheiten meines Reiches und umgebe niich, wie ihr gesehei» habt, mit allem Glanze der Majestät. Aber des Abends entferne ich mich, und verberge mich u»»d »»eine Frau vor de» Augen der Welt. Wir briirgen dann die Nacht mit Arbeiten, Fasten und Beten zu. Gegen den Morgen sammelt «in Sclaoe unsere Arbeit, um sie zu verkaufen und für das daraus gelöste Geld Brod und Bohnen einzukausen, was unsere einzige Nahrung