Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 3 (März 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-03-01
- Page
- Seite 128 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829528-2829532-2871916--19409-2871971- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
128 Beiträge zur vergleichenden Zagen- und Märchenkunde. Einflüsse entstanden zu sein. Ich kann dies um so eher behaupten, als diese Sagen von Virgil erst vom!1. oder 12. Jahrhundert an bekannt werden, und Juden in Neapel von uralter Zeit nicht blos gewohnt, sondern auch in der Geschichte der Stadt, wo sie sehr thätig eingriffen, eine große Rolle gespielt haben. Graetz Gesch. d. Jud. V (1860) S. 20 f. Die jüdische Ueberlieferung dagegen gehört spätestens dem ersten oder zweiten nach» christlichen Jahrhunderte an. Comparetti (Virgilio nel medio evo Livorno 1872) behanbett im zweiten Bande alle virgilianischen Sagen, bringt auch eine Anzahl höchst interessanter Parallele». Der orientalische spectell jüdische Ursprung derselben ist ihm und Victor, ״Der Ursprung der Virgilsage in der Zischst, f. rom. Philologie I, 162—178 ebenso entgangen, wie allen Forschern, die sich bis jetzt damit beschäftigt haben. Die Wechselwirkung, in welcher die jüdische Volksliteratur zu der der ander» Völker stand, zeigt sich uns am deutlichste» an einem Beispiele, das wir jetzt beibringeu wollen. Die jüdische Sage hat einen Zug der virgilianischen entlehut und keinem geringeren beigelegt als Maimonides. In den ״Sippurim" von Pascheles, Prag 1847 p. 42—20 wird eine Sage erzählt, deren ältere hebräische Quelle ich schon seit Jahren vergebens suche. Vielleicht hat sie der detttsche Bearbeiter (L. Weisel) aus einer jüdisch-deutschen Quelle, — ich habe keine auffindeu können. Der Inhalt dieser Sage ist kurz folgender: ״Maimonides und sein Schüler Manaffe forschen eifrig in den wunderbaren Büchern der Schöpfung und der Heilkunst. Im ersteren wird nun ei» Mittel angegeben» um unsterblich zu werden; der Körper muß vollständig zerstückt und mit einem bestimmten Safte von Kräutern durchträukt, neun Monate unter einem luftleeren Recipienten gestellt werden. Der Mensch wird dann wiedergeboren, UM unsterblich zu sein. Das Loos, das sie werfen, trifft den