Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 28 (1879)
- Issue
- Heft 11 (November 1879)
- Article
- Eine babylonische Unsitte im Buche Hiob angedeutet
- Date
- 1879-11-01
- Page
- Seite 524 (sequence 4)
- Language
- German
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524 Eine babylonische Unsitte in» Buche Hiob angcde»te> und negative aufzählen. In dieser Aufzählung liegt zugleich eine Schilderung der unter den Zeitgenoflen des Dichters grassi. renden Laster und Unsitten. V. 8 betheuert Hiob, daß er nienials einem Eheweibe aufgelauert, denn das wäre eine Schandtbat, ferner das! er nie hart gegen seine Sklaven gewesen, daß er Wittwen, Waisen und Unglücklichen sein Mitleid und seine thatkräfiige Unterstützung zugewandt habe. Aber der Eingang zu diesem Register der Tilgenden klingt wunderlich; er betheuert, daß er nicht eine Jungfrau betrachtet habe. Da Hiob nicht einem Orden angehörte, der seinen Gliedern strenge Keuschheit zur Pflicht machte, so durste er doch diese Enthaltsanrkeit nicht als besondere Tugend geltend gemacht haben. Ist das Betrachten einer Jungfrau ein solches Verbrechen, daß Hiob deßwegen für seine Augen ein Bündniß geschlossen, d. h. einen festen Vorsatz gefaßt habe, solches zu unterlassen? Noch unverständlicher sind die darauffolgenden Verse, welche mit dem ersten in innigster Verbindung stehen. Hiob fährt fort, er habe die Betrachtung einer Jungfrau unterlaffen, weil er gefürchtet, das; Gott schweres Mißgeschick dafür verhängen könnte. Er, der Alles sieht, seine Schritte zählt. Dazu gehört offenbar noch als Schluß (V. 5) : אם הלכחי עם שוא ותחש על טרסה רגלי. Wie kann diese allerdings schwerwiegende Uuthat int Zusammenhänge stehen mit der vergleichungsweise höchst geringfügigen Regung, eine Jungfrau zu betrachten? Die ״I u n g f r a u" muß hier demnach eine besondere Bedeuturtg haben. Wir müffen uns nach Babel versetzen. Die ״Jungfrau" sitzt in Erwartung, ihre prümtiae einem Fremden zur Ehre und für die Revenüen der Göttin Mylitta zu opfern. Nach der israelitischen Anschauung ist aber das Gelüste nach einer solchen Jungfrau eine doppelte Sünde, nicht blos als Unzucht, sondern auch und vor Allem als Götzendienst, Huldigung der Mylitta. Diese Sünde ist in V. 5 hervorgehoben. Denn שיא bedeutet unstreitig ״Götzendienst," von