Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 28 (1879)
- Issue
- Heft 11 (November 1879)
- Article
- Das Buch Tobias oder Tobit, seine Ursprache, seine Abfassungszeit und Tendenz
- Date
- 1879-11-01
- Page
- Seite 519 (sequence 11)
- Language
- German
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seine Ursprache, seine Abfassungszeit und Tendenz. 519 LandpflegerS in Cäsarea und der von ihm bestellten Richter .in den Städten gegen antirömijch gesinnte Judäer nicht eingestellt. Sie haben wohl die Verfolgung gegen die Patrioten fortgesetzt, diese, wenn sie ergriffen waren, hinrichten und deren Leichnam nicht beerdigen lassen. Ueherhaupt ist gewiß ein nicht geringer Zeitintervall zwischen Hadrians Tod (Sommer 138) und der völligen Einstellung jeder Verfolgung unter Antonius Pius verstrichen, ehe die Flüchtigen, welche in Mesopotamien ein Asyl gesucht hatten, die Lage für sicher genug hielten, daß sie sich zurückzukehren getraut haben. Nehmen mir auch nur den Intervall von! Soinmer 138 bis 140 an. Am 28. Adar ist die günstige Nachricht in Judäa eingetroffen, daß der Neligionszwang nicht mehr fortgesetzt werden soll, d. h. Marz oder April. Dieses Factum kann frühestens Frühjahr >39 stattgesunden haben, vielleicht erst >40. Innerhalb dieser Zeit, in welcher eine theilweise Milderung eingetreten mar, aber die Härte noch nicht ganz ausgehört hatte, in welcher »och immer Patrioten von den römischen Beamten in Palästina verurtheilt und deren Leichname unbeerdigt hingeworsen worden sein mögen, scheint das Apokryphon Tobil verfaßt worden zu sein. Es war noch immer Veranlaffung genug, die Judäer zu ermahnen, die Leichname zu beerdigen, wenn auch einige Gefahr bannt verbunden sein sollte. Denn cs sei eine wichtige Tugend. Und die theilweise einzetretene Ruhe konnte dem Verf. die Muße gewähren, sein Buch, welches diese Pflicht zumeist einprägen wollte, zu verfassen. Man könnte also seine Abfassung unter Antonius Pius zwischen den Jahren >39 und 141 setzen. In dieser Zeit konnten die agadischen Sentenzen aus der Schule R. Jochairan b. Sakkals bereits in Umlauf gesetzt sein, von der hohen Wichtigkeit der Mildthätigkeit und ihrer sühnenden Kraft, daß sie den Tempel entbehrlich mache (o. S. 453). In dieser Zeit konnte schon der Spruch des adiabenischen Königs