Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 28 (1879)
- Issue
- Heft 11 (November 1879)
- Article
- Das Buch Tobias oder Tobit, seine Ursprache, seine Abfassungszeit und Tendenz
- Date
- 1879-11-01
- Page
- Seite 518 (sequence 10)
- Language
- German
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518 Das Buch Tobias oder Tobit, haben muß, den zum Tode Verurteilten nicht die Ruhe des ■ Grabes zu gönnen. Damit ist die von Alexander Kohnt aufge-! stellte Hypothese widerlegt, als wenn das Buch Tobit das Bestallen ‘i von Leichen iiberhaupt einprägen wollte und gegen den Fanatis- I muS der Neuperser gerichtet, welche Leichname als die Erde verunreinigend, nicht begraben liegen, und auch auszugraben pfleg: len. Im Buche Tobit handelt es sich aber lediglich um Leichn a rn e Hingerichteter Personen und nicht um Leichname überhaupt. Man kann nicht umhin, in dem voin Buche Tobit geschilderten Sancherib Hadrian wiederzuerkennen, ״der in seinem Zorne Viele tödten lieg." Es ist aber andrerseits nicht zu verkennen, daß unser Apokryphon diese Jmpielät gegen Hingerichtete noch unter Sancheribs Nachfolger Assarhaddon fortsetzen läßt. Auch unter diesem Könige fand Tobit noch Gelegenheit, viele Leichname heimlich zu bestatten, indem er sie - in sein Haus brachte und des Nachts beerdigte. Seme Ver-; wandten machen ihm deszwegen Vorwürfe, daß er wiederum;j Leichen beerdigt,;obwohl er früher unter Sancherib deßwegeu ] gelitten habe (II, ö vgl. o. S. 437). Ist in Sancherib Ha- .• drian p o r tr'a itirt, so ist unter seinem Nachfolger Assars haddon, Antonius Pius angedeulet. Dieser Kaiser war i bekanntlich milden Sinnes. So wird auch Asiarhaddon in dem Apokryphon geschildert: Unter ihm durfte Tobit, auf Achikars Verwendung, wieder in sein Haus zurückkehren, und Frau und Sohn wurden ihm wiedergegeben (1,22 fg.). Hier haben mir einen Zug der Milde, der an Antonius Pius erinnert. Dieser Kaiser hat auch die Erlaubniß ertheilt, die Leichen der Krieger bei Bethar zu beerdigeir (o. S. 51-1). Er war cs auch, welcher die Dekrete des NeligionSzwanges auf Verwendung einer Matrone (d. h. einer hochgestellten römische» Frau) ausgehoben hat, wie die Talmud« und das Scholion zum Kalender der Gedenktage aus frischer i Eriltnerung miltheilen. — Aber damit war das Verfahren des s