Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 28 (1879)
- Issue
- Heft 11 (November 1879)
- Article
- Das Buch Tobias oder Tobit, seine Ursprache, seine Abfassungszeit und Tendenz
- Date
- 1879-11-01
- Page
- Seite 516 (sequence 8)
- Language
- German
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518 Das Buch Tobias oder Tobit, besonders haßte, sollte׳ durch die Leichenfäulnis; verpestet werden, und es sollte die Juden empfindlich kränken, daß sie die pietäisvolle Leichenbestattung nicht vornehmen konnten, wie ihnen überhaupt die Ausübung jeden religiösen Brauches unter Todes׳ strafe verboten war. Meine Ansicht, daß dieses Moment der Leichenbestattung im Buche Tobit sich auf die h ad r i a nis che Zeit bezieht, hat Beifall gefunden. Ich sehe mich aber ge׳ uöthigt, die Zeit näher zu präcisiren. Plan könnte mit Recht gegen meine Ansicht geltend machen, daß eine so für die Juden Palästina's unglücksvolle Leit, in welcher es nicht einmal gesrallet war, die Heirathsverschreibung (יכחוכה für die Frau auSzuftellen, wenig geeignet gewesen sein dürfte, ein literarisches Produkt in die Welt zu setzen, wozu doch jedenfalls eine gewisse Gemühisruhe erforderlich ist. Das Buch Tobit müßte denn außerhalb des Schauplatzes des Elends ver faßt fein, was aber, wie oben angegeben (S. 445) ausgeschlossei ist. Der Vers, hätte auch in einer solchen Drangsalszeit nicht auf Leser rechnen können, weil solche, auf welche es besonders Eindruck machen sollte, selbst die heilige Schrift nur heimlich lesen konnten. Auch ist nicht abzusehen, welche Wirkung sich der Vers, für den Augenblick von seiner Tendenzschrift versprochen haben mag. Er kann doch nicht etwa erwartet haben, daß sich todesverachtende Männer aufraffe» würden, die aufgehäuften Leichenhausen in die Gräber zu senken! Wenn Hadrian oder Severus die Leichname unbestattet wissen wollte, so waren gewiß Wache» aufgestellt, und die Unternehmung war von vorne herein aussichtslos. Beachtet mau aber die Darstellung im Buche Tobit, so kommt man auf das Richtige, welches alle diese Unzuträglichkeilen beseitigt. Es erzählt keineswegs, daß Tobit die Leichname der gefallenen Krieger mit Gefahr bestattet hätte, sondern nur derjenigen, welche Sancherib habe tobten und