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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1879-10-01 · Heft 10 (Oktober 1879) · p. Seite 454

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
28 (1879)
Issue
Heft 10 (Oktober 1879)
Article
Das Buch Tobias oder Tobit, seine Ursprache, seine Abfassungszeit und Tendenz
Date
1879-10-01
Page
Seite 454 (sequence 22)
Language
German
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454 DaS Buch Tobias oder Tobit, aufgedrängt. Soll Israel nach der Verödung der Opserstätte iminerwähreud sündenbehaftet umherwandeln? Allerdings die Jndeuchristen haben es behauptet, und haben sich daher um so fester an Jesus angeklammert, den sie als Sühnopfer betrachtet haben, der sie selbst durch seiiren Tod der Sünden entlastet habe, und der für sie Hohenpriester geworden sei. Wollte Jochanan b. Sakka'i, der Führer der aus den Trümmern der Zerstörung übriggebliebenen Gemeinde, sie nicht ob des Mangels an Sühnemittet in Verzweiflung geratheu oder sich dem jungen Christenthuin zuwende» sehen, so mußte er einen bis dahin in Propheten und Hagiographen allerdings ausgesprochenen, aber wenig beachteten Gedanken ausnehmen und ihit zur Beruhigung der Gewissen einprägen. Diese Anschaltung, das; MildtlMigkeit eine sühnende Wirkung habe, ist auf der Trümmerstätte des Tempels aus dein Kemüthe hervorgetaucht. Daniel 4, 21, wo dem König Nebukaduezar gesagt wird, daß er seine Sünden durch Begünstigung der Armen löseit könne, beweist nicht, daß dieser Gedanke schon früher angeregt gewesen wäre. Einem heidttischen Könige konnte kein anderes Mittel zrtr Sühne einpsohlen werden. Jüdische Gemüther konnten sich aber erst damit befreunden, als ihnen die Sühne durch Opfer unmöglich gemacht worden war. Für den Vers, des Buches Tobit war die Lehre, daß Wohlthätigkeit von allen Sünden reinige, etwas Selbstverständliches, das keines Beweises mehr bedürfe. Man darf daher kühtl behaupten, daß das Buch Tobit von der Seilteuz des Jochanan b. Sakka'i beeinflußt ist, daß der Berf. demnach später als dieser erste Führer der Gemeinde nach der Tempelzerstörung gelebt hat. Auch die Sentenz: ״was dir hassest, thu' einem Andern nicht" (IV, 15), gehört wohl nicht dem Vers, als Selbsteigenes an, sondern ist Hillel entlehnt. Die Tendenz des Buches neben strenger Beobachtung der Gesetze (was öfter direkt und indirekt ausgesprochen wird), die Mildthätigkeit

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