Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 28 (1879)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1879)
- Article
- Das Buch Tobias oder Tobit, seine Ursprache, seine Abfassungszeit und Tendenz
- Date
- 1879-10-01
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
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441 Das Buch Tobias oder Tobit, so darstellen, daß Raphael sich zuletzt vor Vater und Sohn als Engel demaSkirt und ihnen Ermahnungen ans Herz legt, erzählt der chald. Teyt, Vater und Sohn hätten Raphael überall gesucht, um ihm den Lohn zu gebe», hätte» ihn aber nirgends gesunden, und aus diese!» Umstande häue Tobit die lleberzeugung gewonnen, dag der Begleiter seines Sohne», der so Ansterordentliches für ihn und die Seinigen geleistet, ein Engel gewesen sei. Das tan» nur selbstständige Darstellung sein. Da nun Hieronymus' Uebersetznug diesen Schluß nicht hat, so folgt daraus, daß der chaldäische Text ihnr nicht als Unterlage gedient haben kann. Die bisherige llnrersuchuug hat Zweierlei zur Gewißheit erhoben, das! das Buch Tobit ursprünglich nur hebräisch, und zwar in dem Style, wie etwa das Buch Sirach oder das erste Mattabäerbuch, abgesagt war. Es bildet ein einheitli. ches Ganze und ist nicht etwa z>l verschiedenen Zeiten angewachsen und von einem Tiaslenasten zusainmengetragen. Alle Begebenheiten, Dialoge und Monologe sind logisch motivirt. Man kann geradezu behaupten, dag es eine künstlerische Anlage hat, indem die Verwickelung und Entwickelung der Begebenheiten wohlbedacht und Schritt vor Schritt motivirt sind, und jeder einzelne Vorgang, auch das Geringste, sich dem Ganzen sachgemäg einfngt. Es hat in der Anlage Aehulichkeit mit dem Buche Esther. Man könnte das Buch Tobit fast einen künstlich angelegten N o m a 11 nennen, wenn nicht die vielen Gebete und Ermahnungen wären, und wenn nicht den zwei Personen verschiedenen Geschlechtes, die durch Unglück zum glücklichen Ende geführt werden, eine passive Rolle zugetheilt wäre. Die Frage, ob das Buch wirtliche Geschichte enthält, hätte gar nicht aufgewürfen werden sollen. Denn jedes Schriftdenkmal, welches selbst angiebt, eö sei durch irgend eine Veranlassung, zur Erinnerung niedergeschrieben worden, beweist eben damit, daß