Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 566 (sequence 35)
- Language
- German
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566 Die Religioiisphiloi'ovhir des Abraham ibit Daud aas Toledo. einen vernünftigen Zweck nicht zu erkennen vermögen, mehr als alle anderen Gesetze geeignet, uns zu unbedingtem Gehörsam gegen Gott anzuleiten. Die Forderung freilich, der Mensch solle überhaupt sein einziges Genügen in blindem Glauben finden und sich jedes Selbstdenkens ängstlich entschlagen, ist mit Eutschiedenheit zurückzuwei'sn. Ein solches Verhalten würde sich am Allerwenigsten in denjenigen Bereich des Denkens geziemen, wo, wie in der Religion, die Selbstthätigkeit der Vernunft uns gerade zur Erkenntniß Gottes anzuleiten bestimmt ist. Allein wenn wir zunächst auf dein Wege vernünftigen Denkens die lieberzeugung von der Möglichkeit der Prophetie im Allgenieinen erlangt haben und dann eine bestimmte Persönlichkeit durch die von ihr vollbrachten Wunder sich bei uns in Wirklichkeit als Prophet ausgewiesen bat, wie dies in so hohem Grade bei Mose der Fall war, uub wir ferner Angesichts der ihm von Gott noch immer zu Theil werdensen Ehren und Vorzüge an der Fortbau er seiner propherischen Sendung nicht zweifeln können, und ein solcher Mann ertheilt uns im Namen Gottes ein Ge- und Verbot, das weder unserer Vernunft widerstreitet noch unsere Kraft und Leistungsfähigkeit übersteigt, dessen Zweck wir aber allerdings nicht zu erkennen vermögen, so soll unsere Gläubigkeit sich in der Thal darin bekunden, daß wir diesem Gebote unbedingten Gehorsam leisten. Wer selbst da noch klügelnd nach dem Nutzen fragt, der uns z. B. aus der Befolgung dieses oder jenes Speisegebots erwachse, der besitzt nicht das hinaebende Vertrauen, mit dem wir ver Erfüllung der göttlichen Gebote uns widmen sollen. Ein bewnndernsmerthes Beispiel wahrhaften Tottvertrauens hat der Erzvater Abraham uns gegeben, indem er sich in der Befolgung des göttlichen Willens selbst durch den offenbaren Widerspruch nacht beirren ließ, in welchem das Gebot der Opferung Isaaks mit der ihm gewordenen Verheißung einer zahlreichen Nachkommenschaft von Isaak stand. Der Glaube,