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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1878-01-01 · Heft 12 · p. Seite 540

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
27 (1878)
Issue
Heft 12
Article
Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
Date
1878-01-01
Page
Seite 540 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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540 Die Religion-vhilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. menschliche Willen-5freiheit lehre, darüber lassen Aussprüche wie die in Deuter. 30, 19; Ezech. 33, 11 keinen Zweifel; ebenso entschieden äussere sich der Talmud, z. B. in dem bekannten Satze: Alles liegt in Gottes Hand, nur nicht die Gottesfurcht'). Eine gewisse Beschränkung erleidet die menschliche Willensfreiheit durch die,;uni Theil auf natürlichen Ursachen beruhende, Verschiedenheit der sittlichen Anlagen, wie sie nicht nur bei einzelnen Individuen, sondern auch bei ganzen Völkern hervortritt. Es giebt Individuen wie Völker, bei denen die Eimvirkung natürlicher oder zufälliger Ursachen eine nur schwer zu überwindende Neigung zu gewissen unsittlichen Handlungen erzeugt. Allein der Mensch ist im Staude, durch ernstes Bemühen auch solchen natürlichen Trieben entgegenzuwirken. Bei manchen Menschen genügt aber schon eine moralische Belehrung oder Zurechtweisung, um einen wirksamen Einfluß auf ihr Verhalten zu üben, und bei Einzelnen ist die sittliche Begabung sogar bis zu der Höhe entwickelt, daß selbst der Antrieb zum Bösen ihnen fehlt. Solange der Mensch aber nur das Streben nach sittlicher Läuterung nicht eingebüßt hat, kann er, wenn er demselben folgt, sich allmälig zu einer immer höheren Stufe der Sittlichkeit emporringen. Denn je mehr es ihm gelingt, die unsittlichen Triebe zu unterdrücken, desto mehr wird sich in ihm die Sehnsucht nach dem sittlichen Ideale steigern, bis er dasselbe vollkommen in sich verwirklicht hat. ״Wer nach Reinheit strebt, sagt der Talmud, sindet in diesem Streben auch Unterstützung"^), denn wer sich der göttlichen Vorsehung anvertraut, wird von ihr auch in besonderen Schutz genommen; aber auch dem, ״der sich zu verunreinigen strebt, wird aufgethan", denn die göttliche Vorsehung überlaß: 2en Menschen seinem Schicksal, wenn er Talmud bab. Bsrachoth 33 b: Megiüa 25 a. Nidda I6b. *) T. b. Sabbaih 104 a, Ioma 38b. u. a. O.

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