Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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518 Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. Vollkommenheit nicht erreichen läßt. Das Saatkorn, das, in einen fruchtbaren Boden gesenkt und von Wind und Wetter in seiner Entwicklung begünstigt, zu herrlichem Wachsthum gedeihen würde, kann in einem harten und steinigen Boden nicht Wurzel fassen und wird entweder vom Winde fortgetragen, oder von Vögeln verzehrt oder es geht allmälig in Verwesung über * *). Als wirkliche Uebel können aber auch nur solche Mängel angesehen werden, in Folge deren ein Ding nicht zu derjenigen Vollkommenheit gelangt, die ihm seiner Natur nach zukommen müßte *). So wäre es z. B. eine Thorheit, darin, daß Spanien keine Elephanten erzeuge, ein Uebel zu erblicken, denn es liegt eben gar nicht in der Natur des spanischen Landes, Elephanten zu erzeugen. Hält man aber an diesem Grundsätze fest, so hat man damit schon eine Menge angeblicher Uebel beseitigt, für die man sonst glauben würde, die göttliche Vorsehung verantwortlich machen zu dürfen. Die Weisheit und Güte der göttlichen Vorsehung offenbart sich gerade darin, daß einem jeden Geschöpfe die seinem Wesen und seiner Organisation angemessene Vollkommenheit zu Thsil wird und daß so in den zahllosen Abstufungen der von Gott geschaffenen Wesen jede, selbst die geringste Anlage zur Vollkommenheit auch zur Verwirklichung gelangt *). Wer aber für irgendein *) Ibn-S!na, Schahrest. II, 274: ״Ein Beispiel für das Erste ist das Entstehen vieler Wolken und ihre Ansammlung und die Beschattung hoher Berge, was die Einwirkung der Sonne auf die Früchte für die vollkommene Ausbildung verhindert". Auch bei Maimonides. More III, 10 begegnen wir demselben Gedanken, vgl. Rosin. Die Ethik des Maimonides S. 63 Anmerk. 4. *) Jbn-Sina, Schahrest. II, 278: ״Und mit einem Worte, das Böse dem Wesen nach ist der Mangel, aber nicht jeder Mangel, sondern ein Mangel, der in Folge von Eigenschaften (?) des Dinges an den Vollkommenheiten stattfindct, welche für seine Art und Naturanlage feststehende sind" u. s. w. ') Jbn-S!na, Schahrest. II, S. 237: ״Es denkt also die Ordnung