Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 506 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829512-2870992--18436-2871024- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
D06 Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. Sprachgebrauchs ihre Erledigung. So schwindet z. B. schon dadurch eine große Anzahl angeblicher Schwierigkeiten und Widersprüche, daß man die etymologische Bedeutung des Wortes אלהים genau in's Auge faßt und, anstatt dasselbe überall in seiner engen Bedeutung zu nehmen, in der es bekanntlich eine Bezeichnung für das göttliche Wesen ist, an gewissen Stellen der weiteren Bedeutung den Vorzug giebt, nach welcher es eine Bezeichnung für alles Machtvolle, Hervorragende, Ausgezeichnete sein kann, wie es ja an einzelnen Stellen ganz unverkennbar von Engeln (Genes. 48, 15), Sternen (Hiob 38, 6) oder auch von hervorragenden Menschen (seien es Richter wie Exod. 22, 8, Weise wie Ps. 82, 7, oder sonst ausgezeichnete Männer wie Genes. 6, 4) gebraucht wird. In gleicher Weise verhält es sich mit dem Worte שדי, das zwar in einigen Fällen die Bedeutung eines Gottesnamens hat, seiner Wurzel nach aber das Stürmende (von שדד) bedeutet, in welchem Sinne es auch in der Schrift gebraucht wird (Ezech. I, 24). In Wahrheit kann es ja auch für Gott gar keine andere Bezeichnung geben als nur eine synonymische, d. i. eine solche, die von anderen Begriffen entlehnt auf Gott nur in übertragenem Sinne angewendet wird. Denn da der menschliche Geist in seiner irdischen Beschräukung außer Staude ist, sich eine adäquate Vorstellung von dem Wesen Gottes zu bilden, so vermag auch die menschliche Sprache, die ja nur ein Abbild des Gedankens ist, das Wesen Gottes nicht in Worte zu fassen. Wie unsere Vorstellung von Gott sich immer nur in Analogieen aus dem Bereiche der geschaffenen Wesen bewegt, so giebt es auch zur Bezeichnung des göttlichen Wesens für unsere Sprache kein anderes Mittel, als sich solcher Ausdrücke zu bedienen, die ihrem eigentlichen Sinne nach als Bezeichnungen für die mächtigsten, erhabensten und eindrucksvollsten irdischen Erscheinungen gebraucht werden. Von allen in der Schrift vorkommeuden Gottesnamen diente