Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Die Religionsphilosophie des Abraham ihn Daud aus Toledo. zuweilen dem Geiste des Propheten darstellen, sind demnach nur die Erzeugnisse der eigenen Phantasie uud an sich ohne wirkliche Realität. So erklärt es sich auch ganz naturgemäß, daß diese Ge st alten, während der Prophet selber sie deutlich zu erblicken glaubt, von seiner Umgebung nicht wahrgnommen werden'). Der Endzweck der Prophetie besteht darin, die Menschen in ihrer Gesammtheit zu der ihnen von Gott bestimmten Glückseligkeit anzuleiten. Da es der überwiegenden Mehrzahl der Menschen an der hierzu erforderlichen Einsicht fehlt, so mußte die Verwirklichung dieser göttlichen Absicht solchen Personen übertragen werden, deren höherer Einsicht die anderen sich unterzuordnen bereit wären *). Um jedoch den Propheten die Erfüllung dieser Aufgabe zu ermöglichen, war es nothwendig, sie mit einer den anderen Menschen nicht zu Gebote stehenden Macht über die Natur auszustatten. Eine solche die Schranken des Naturgesetzes durchbrechende Macht ist im Wesen der Prophetie vollkommen begründet und steht mit der menschlichen Vernunft durchaus nicht im Widerspruch. Die Verbindung zwischen dem Geiste des Propheten und den höheren Intelligenzen, vornämlich der ״wirkenden Vernunft", giebt, wie für die höhere Erkenntniß des Propheten, so auch für seine über das Natur- ') Ezech. 8, 1; Dan. 10, 7. Wie A. b. D. bestreitet auch Maimonides lMore II, 46) die Realität der dem Propheten erscheinenden sinnlichen Gestalten. Als schlagendes Beispiel eines solchen, in der Phantasie des Propheten sich abspielenden Vorganges, führt A. b. D. Ezech. 8, 1 an, wo der im Exil lebende Prophet sich nach Palästina versetzt glaubt, was doch offenbar nur eine Spiegelung seiner Phantasie sei» könne. Dasselbe Beispiel auch More II, 46. ’) Jbn-Sina. Schahrest. II, 282: ״Bei dem Verkehre ist aber eine Regel und Gerechtigkeit nothwendig und kann Einer, der die Regel ausstellt und Gerechtigkeit schasst, nicht entbehrt werden" u. s. w.