Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. 4SS kann aber auch Vorkommen, daß der Prophet vorübergehend von der Prophetie im wachenden Zustand wieder auf die niedrigere Stufe der Traumprophetie herabsinkt, wenn er nämlich bei seinem Eintritt in die höhere Entmiälungsstufe der auf ihn einstürmenden Gewalt der prophetischen Erscheinung erliegt und so, gewissermaßen von einer Ohnmacht befallen, die Fortsetzung der Erscheinung in einem Traumgesicht erblickt '). Aber selbst diejenigen Propheten, die in ivacheni Zustande prophetischer Eingebungen theilhaftig werden, stehen deshalb nicht alle auf gleicher Linie; es lassen sich vielinehr auch noch auf dieser Stufe verschiedene Grade unterscheiden. Je nachdem des Propheten Geist der Einwirkung der auch im wachen Zustand nicht ganz unthätigen Phantasie mehr oder minder zugänglich ist, wird er die prophetische Erscheinung entweder in Allegorieen und Bilder gekleidet oder frei von diesen erblicken^). Irr dieser Beziehung hängt Alles von der geistigen Individualität des Propheten ab; so ist z. B. bei Ezechiel, weil er der Phantasiereichste aller Propheten ist, die Allegorie so vorherrschend, daß er nach seiner eigenen Aussage (Ezech. 21,5) vom Volke der Gleichnißdichter genanrrt wurde. Die sinnlichen G e st a lt e n, in denen die göttlichen Erscheinungen sich *) Als Beispiel führt unser Philosoph den Erzvater Abraham an. Während die bis Genes. tS, I berichteten Erscheinungen Traumgesichte gewesen, sei Abraham mit der an dieser Stelle erzählten Offenbarung zur Prophetie im wachen Zustand gelangt. Wenn es trotzdem in demselben Kapitel heiße, daß Abraham die Erscheinung beim Bundesopfer im Schlummer erblickt habe, so sei darunter ein solcher, durch eine Ohnmacht erzeugte, Rückfall zu verstehen. Dieselbe Erklärung findet sich bei Maimonides, More II, 41. 5) Jbn-Sma. Schahrest II. 382: ״Die dritte Eigenthümlichkeit gehört der Einbildungskraft dadurch an, daß die Seele kräftig ist, und in wachem Zustande mit der Welt des Verborgenen in Berührung kommt" u. s. w- ״Er sagt; Wenn auch die Seelen in der Art übereinstimmen, nur daß sie durch Eigenthümlichkeiten unterschieden sind, so sind ihre Thaten in wunderbarer Verschiedenheit verschieden" u. s. w.