Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829511-2870932--18381-2870965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. 157 liche Geist im Schlafe von der ״wirkenden Vernunft" Eingebungen erlangen, die ihm im wachenden Zustand vielleicht niemals zu Theil geworden wären. Aber selbst in diesem Falle wird der Einfluß der immer noch wirksamen Phantasie sich darin bekunden, daß dem menschlichen Geiste die Eingebungen der ״wirkenden Vernunft" in Gestalt von sinnlichen Bildern und Äl- I e g o r i e e n zum Bewußtsein kommen werden. So werden z. B. bevorstehende Annehmlichkeiten im Traume unter dem Bilde eines schönen Weibes, ein zurückzulegender Weg unter dem Bilde des Megens erscheinen. Wird nun in einer solchen Traumerscheinung denl Geiste eine Enthüllung ju Theil, die für die Verhältnisse einer größeren Gesammtheit von Wichtigkeit ist, so ist sie als eine prophetische Eingebung anzusehen; bezieht sich die Erscheinung hingegen nur auf individuelle Verhältnisse, so nennen wir sie ein wahres Traum gesicht. Auch in der Traumerscheinung kann jedoch der Prophet zu einer noch höheren Stufe prophetischer Erkenntniß als dieser gelangen. Wenn es dem Verstände nämlich gelingt, die dem Geiste durch die ״wirkende Vernunft" zu Theil werdende Eingebung von jeder Ein- Mischung d e r P h a n t a s i e frei zu halten, dann wird der von dem Propheten gewonnene Einblick in die Zukunft, weder durch ein Bild noch durch eine Allegorie verhüllt, offen zu Tage liegen und keiner weiteren Deutung bedürfen. Dieser Art war z. B, die dem Abraham über das Schicksal seines Stammes zu Theil gewordene Offenbarung (Genes. 15, 12), die ihm, obschon sie ausdrücklich als eine Traumerscheinung (חרדמה) bezeichnet wird, doch ohne Bild und Allegorie in unverhüllten Worten die Zukunft verkündete ') Ibn-Sma. Schahrest. 11. S. 32S: ״Wenn die Formen partielle sind und aus der Seele in die Vorstellungskraft übergehen, und das Gedächtniß sie seiner Weise gemäb festhält, ohne daß die Einbildungskraft dabei mitwattet, sind die Träume wahr und bedürfen kei-