Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 454 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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454 . Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. Jbn-S!na gegebene rationelle Erklärung der Prophetie einen der Glanzpunkte der arabisch-aristotelischen Philosophie. Dieselbe schließt sich so zwanglos und natürlich an ihre Erkenntnißtheorie an, daß inan fast auf die Vermnthung kommen könnte, die letztere sei von vornherein aus die Erklärung der Prophetie zugespitzt oder wenigstens nicht ohne Rücksicht aus dieselbe ausgebildet worden. Wie dem aber auch sein mag, jedenfalls ist es den arabischen Philosopheil gelungen, aus dem Princip ihrer Erkenntnißtheorie herails das Wesen der Prophetie mit überraschender Folgerichtigkeit abzuleiten. Freilich wird der der prophetischen Erkenntniß sonst anhaftende Charakter des Unvermittelten und Sprunghaften in der Erkenntnißtheorie der Araber nur dadurch vermieden, daß der Sprung in das Gebiet des Uebernatürlicheil in ihr schon ans einer viel früheren, ja im Grunde gleich auf der ersteil Stufe des Vernunfterkennens erfolgt. Denn, wie wir oben gezeigt haben, führeil die arabischen Aristoteliker und ihnen folgend auch A. b. D. schon beu Ursprung der sogenannten ״ersten Erkenntnisse", wie des Satzes des Widerspruchs, der Identität u. s. w., auf eine der nleilschlicheil Vernunft zu Theil werdende Eingebung von Seiten der ״wirkenden Vernunft" zurück '). Ist aber erst die Brücke geschlagen, die den Geist des Menschen mit dem Reiche des Uebernatürlicheil verbindet, dailn kann auch die Erweiterung der inenschlichen Erkenntniß über die Grenzen des Natürlichen hinaus mehr keine Schwierigkeiten bereiten; in der Einwirkung der transuruildanen Geister auf die menschliche Vernunft ist dann ein bequemer Erklärungsgrunv ailch für die prophetische Erkenntniß des Menschen geboten. Die Gabe der Prophetie tritt daher bei A. b. D., wie bei seinen arabischen Vorgängern, nicht als eine den Zusammenhang der menschlichen Geistessntwicklung durchbrechende Erscheinung auf, sie bildet vielmehr gewissermaßen den Endpunkt einer n a t ü r- *) Vgl. oben S. 403 Anmerk. I.