Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 15)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Falaschas (abesiinische Juden). 447 untergegangen; weder Theodor, der Feind der Engländer, noch der jetzige Kaiser Johannes gehören ihr mehr an. So sind denn die beiden uralten einheimischen Herrschergeschlechter, die sich eines gemeinschaftlichen Ursprungs rühmten und beide ihren Stammbaum auf die Könige David und Salomo zurückführten, vom Schauplatze der Geschichte verschwunden. Vor 1000 Jahren kämpften sie um den Kaiserthron Aethiopiens, standen auch später oft genug im Kriege einander gegenüber, bis endlich die jüdischen Fürsten friedliche und treue Vasallen ihrer christlichen Vettern geworden waren. Das Andenken der Falaschafürsten ist noch heute ein hochgeachtetes int ganzen Lande. Noch lebte vor einigen Jahren ein ehrwürdiger Greis Aba Gideon im Lande ©ernten, der als direkter Nachkomme der alten königlichen Gideonen im hohen Ansehen stand, während die Gemahlin des stolzen Kaisers Theodor, die Tochter des mächtigen Herrschers von Tigrteh, Nas Übte, sich rühmte, daß das Blut der alten Judenfürsten in ihren Adern rolle. Mit dem Untergänge des Fürstenthums in Semten würde die politische Geschichte der abessinischen Juden, die sich so sehr von beu Schicksalen ihrer Glaubensgenossen in allen übrigen Ländern der Erde unterscheidet, ihr Ende erreicht haben. Sie hat aber noch in unfern Tagen ein ganz eigenthümliches, tragisches und gradezu romantisches Nachspiel gefunden. Sind einst vor 3 Jahrhunderten die Bestrebungen der katholischen Mönche und deren Fanatismus den Juden Abessiniens verhängnißvoll geworden, so hätte vor wenigen Jahren die Bekehrungswuth protestantischer Missionaire fast eine ähnliche Katastrophe herbeigeführt. Evangelische Missionsanstalten hatten sich die Bekehrung der Falaschas zum Ziele gesetzt. Es war eine wunderliche Gesellschaft, die sich zu diesem Zwecke in Abessinien zusammenfand.