Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 14)
- Language
- German
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•446 Zue Geschichte der Falascbas chbessimjche Juden'!. späteren Falaschafürsten nicht gewesen sein, indem nns Bruce berichtet, daß zur Zeit seiner Anwesenheit in Abessinien (um da? Jahr 1770) Gideon und Judith, wie das damalige jüdische Fürstenpaar nach altem Brauche hießen, an 80000 Bewaffnete ins Feld stellen konnte. Ihre Autorität mußte sich also über ungefähr eine viertel Million Menschen erstrecken. Wahrscheinlich waren dies die sämmtlichen Juden Abessiniens, über welche die jüdischen Fürsten in Semiön eine Art von Oberherrschaft ausübten. Das Fürstenpaar wohnte indessen nickt mehr in der alten Königsburg ans der Amba Gideon, wo seit Susneos Zeiten der christliche Statthalter von Semiün residirte, sondern ans dem Berge Missikat. Aber auch dieses Fürstenthum ist untergegangen, und die letzte jüdische Fürstendpnastie, von der die Geschichte erzählt, verschwunden, ohne daß wir irgend etwas Genaueres über diese Katastrophe wissen. Nach dem Jahre 1780 war die furchtbarste Anarchie in Abessinien eingerissen. Die Kaiser in Gondar waren ganz machtlos geworden, nur noch Spielbälle der nbermüthigen und stets rebellischen Großen. Das ganze Land wurde durch unaufhörliche, blutige Bürgerkriege auf das Entsetzlichste verwüstet. In einem dieser vielen Stürme scheint die jüdische Herrschaft in Semi4n und deren Fürstendynastie gegen Ende des vorigen Jahrhunderts (nach Marens im Jahre 1800) ihren Untergang gefunden zu haben. Blutig muß die Katastrophe gewesen sein, da, nach Nüppell, etwa 50 Jahre vor seiner (in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts erfolgten) Reise nach Abesiinien in Semien eine Versolgnng und gewaltsame Bekehrung der Juden stattgefunden haben soll, allein auch er erzählt nicht, von wen! diese Verfolgung ausgegangen und wie ihr Verlaus gewesen sei. Auch die christliche Kaiserdynastie ist vor ungefähr 40 Jahren