Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Falaschas (äbessinische Indens. 441 die Provinz Goara gerichtet. Auch hier wohnten zahlreiche Falaschas in festen Plätzen. Sie konnten aber ihrem mächtigen Gegner keinen wirksamen Widerstand leisteil und mußten sich unterwerfen. So hatte Sertza Denghel die abeffinischen Juden seine schwere Hand fühlen lassen, aber noch immer stand das jüdische Königreich in Semisn ungebrochen da, und waren Gideon und dessen Gemahlin Judith die Gebieter zahlreicher, wohlverwahrter Burgen. Aber auch für dieses Königreich, des letzten, welches die Juden auf denl Erdenrund besessen, sollten bald genug die Tage des Unglücks und des Ruins kommen. Der Kaiser Susneos oder Sociniüs, auch Seltan Saged genannt, welcher von 1607 bis 1632 über Abessinien regierte, hatte jüdisches Blut in seinen Aderil. Sein Großvater, Jakob, ein Prinz des abeffinischen Kaiserhauses, hatte sich mit einer Falascha, Namens Wasenabi, vermählt •). Ihr Enkel erwies sich aber als den furchtbarsteil und grausamsten Judenfeind, den Abessinien je besessen. Er mar förmlich zum Katholizismus übergetreten und hatte den Jesuiteil große Privilegien eingeräumt. Sein Bekehrungseifer trieb einen großen Theil seiner Unterthanen, die ihrenl alten koptisch-alexandrinischen Glauben treu bleiben wollten, zu fortwährenden Rebellionen. Ein solcher Aufstand brach auch im Jahre 1615 aus. Susneos selbst war durch eine Empörung gegen seinen Vorgänger Jacob (nicht mit dem Prinzen Jacob, Großvater des Susneos zu verwechseln) auf den Thron gelangt, nachdem er denselben in einer entscheiden- ’) Da Susneos in 1632 in einem Alter von ca. 10 Jahren gestorben ist, so mag die Verheirathung seines Großvaters Jakob mit der Jüdin Wasenabi in den ersten Negierungsjahren des Kaisers Claudius, als dieser von den Falaschas in Semisn unterstützt wurde, stattgesunden haben. Damals waren die abessinischen Prinzen frei, weil Muhamed Granje, wie einst Sagu«, den Prinzenberg erobert hatte.