Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829511-2870931--18360-2870946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
498 Zur Geschichte der Falaschas (abeffinische Juden). Soldaten besetzt war. Der Falaschafürst stellte dem Portugieseschm Feldherrn insbesondere vor, daß er in der Festung eine reiche Beute, namentlich auch au Pferden, an welchen es den Portugiesen sehr fehlte, machen würde, und daß er sich der Burg schon ans dem Grunde bemächtigen muffe, um dein Kaiser Clandius bei einer etwaigen Niederlage einen sichern Rückzug zu verschaffen. Gama, dem die Kaiserin die Zuverlässigkeit des Falascha versichert hatte, ging auf den Vorschlag ein und stellte sich selbst an die Spitze des Unternehmens. Er eroberte unter Beihülfe der Juden, die ihm namentlich den Zugang zu der Festung zeigten, die letztere und fand in ihr wirklich eine große Beute, vor Allem 80 schöne Pferde und 300 Maulesel, die ihn» für sein kleines Heer sehr gut zu Statten kamen. Die Burg überließ er den Juden, nachdem ihm die Abessinier erklärt hatten, daß dieselben treu zum Kaiser stehen ivttrden. Sie fanden bald Gelegenheit, ihre Treue zu bewähren. In einer unglücklichen Schlacht waren Gama und ein großer Theil seiner Leute gefallen. Während Kaiser Claudius in einer/, anderen Theile seines Reiches kämpfte, mußte sich die Kaiserin, in Begleitung des abessinischeu Patriarchen — Abuna — nach Semisn flüchten, wo sie von den Falaschas mit offenen Armen ausgenommen wurde. Sie räumten ihr eine ihrer Felsenburgen zur Residenz ein und sammelte sich dort eine große Zahl bewaffneter Juden zu ihrem Schutze. Die Kaiserin wartete hier ruhig ab, bis ihr Gemahl mit einem Heere heranrückte, sodaß sie die Bergfeste verlasse» und sich mit dein Kaiser vereinigen konnte. Der letztere schlug sodann die Muhamedauer in einer blutigen Schlacht, in welcher Granje fiel, und vertrieb sie aus dem Lande. Hatten sich sonach die Falaschas von Semiön und deren Fürsten dem Kaiser Claudius treu erwiesen, so ivnrde ihnen von deffett Nachfolgern diese Treue schlecht gelohnt. Die Portugiesen, und namentlich die mit ihnen nach Abes-