Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1878-01-01 · Heft 10 · p. Seite 435

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
27 (1878)
Issue
Heft 10
Article
Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
Date
1878-01-01
Page
Seite 435 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829500-2829511-2870931--18357-2870943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden). 435 Nach dem Verluste des abessinischeu Kaiserthrones scheint sich die jüdische Herrscherdynastie in dieses, zur Vertheidigung so überaus geeignete Land zurückgezogen zu haben, wo sie eine mehr oder weniger unabhängige Regierung führte. Die Juden in Semiön waren zu allen Zeiten ein unbändiges kriegslustiges Volk. Wie Benjaniin von Tudela von ihnen schreibt, daß sie von ihren Bergen zum Lande Hamatus (vielleicht Hamasen im nördlichen Abessinien) herunterstiegen, um die dortigen Einwohner auszuplündern und daß Niemand ihnen widerstehen kann, so schildert sie mehr als 4 Jahrhunderte später der gelehrte Jesuit Godignus als ein Volk von wilder Tapferkeit ״der Schrecken seiner Nachbaren". Abessinische Sagen melden von Verfolgungen und Vertreibnngen, welche die Juden in den übrigen Theilen des Reiches, gegen Ende des 13ten Jahrhunderts unter dem Kaiser Jcuni Amlac und dessen nächsten Nachfolgern zu erdulden hatten. Indessen scheinen diese Verfolgungen weder allgeinein verbreitet gewesen zu sein noch allzulange gedauert zu haben. Wenigstens lebten in späteren Jahren die Juden in vielen Provinzen in ansehnlicher Zahl, meistens in einzelnen Gemeinden zerstreut. Besonders groß soll ihre Zahl in den Provinzen Tschelga, Waggara und Goara gewesen sein, und scheint die letztere Provinz den religiösen, wie Sentieu den politischen Mittelpunkt der Falaschas gebildet zu haben. Noch heute betrachten die zerstreuten Gemeinden der abessinischeu Inden die Provinz Goara als eine Art heiliges Land, wo sie ihr Erbgut — Rest — haben, auch wohnt dort der Oberpriester sämmtlicher Falaschas, der die Oberpriester der übrigen Provinzeil zu ernennen pflegt. lieber die Geschichte des Judenstaates in Semiön ist Einiqes bekannt. Der abessinische Kaiser Amda Sion, welcher von 1312 bis 1340 regierte, mußte gegen die Falaschas voll Semiön einen 28*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.