Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1878-01-01 · Heft 9 · p. Seite 421

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
27 (1878)
Issue
Heft 9
Article
Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
Date
1878-01-01
Page
Seite 421 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829500-2829510-2870872--18338-2870917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Religionsphilosophie des Abraharn ibn Daud auS Toledo. 421 Würdigkeit der eigentlichen Offenbarnngslehren hingegen hängt von der Wahrheit der geschichtlichen Ueberlieferung ab, auf die sie zu ihrer Beglaubigung sich berufen. Ueber ein und dasselbe geschichtliche Ereigniß können mehrere von einander abweichende oder gar einander widersprechende Ueberlieferungen zu uns gelangen, denn jeder Bericht giebt ja nicht das Ereigniß selber, sondern nur den Eindruck wieder, den dieses aus das mehr oder minder zuverlässige Wahrnehmungsvermögen des Berichterstatters gemacht hat 1). Allein es wäre trotzdem voreilig, der geschichtlichen Ueberlieferung aus diesem Grunde jede Beweiskraft abzusprechen. Ohne Glauben an das von Anderen Ueberlieferte gäbe es ja überhaupt keinen Verkehr der Menschen untereinander, wäre die Aufrechterhaltung von Gesetz und Recht in der menschlichen Gesellschaft undenkbar. Der zu einen! Urtheilsspruch berufene Richter z. B. muß den Aussagen der ihm als unverdächtig bekannten Zeugen Glauben schenken, wenn es überhaupt ein Richteramt geben und nicht der zufällige Augenzeuge eines Verbrechens berechtigt sein soll, das von ihm wahrgenommene Unrecht nach eigenem Ermessen zu sühnen, wodurch an die Stelle eines geordneten Staatswesens Mord und Todtschlag treten würde *). Die geschichtlichen Ueberlieferungen, die zu Zweifeln Anlaß geben, beziehen sich auch in den meisten Fällen auf solche Thatsachen, über die uns nur der Bericht eines Einzelnen vorliegt. Wo uns hingegen eine Thatsache berichtet wird, die von einer grö- Heren Anzahl von Menschen in übereinstimmender Weise wahr- ') Em. Ram. S. 70 Text:!אמנם התחלף האנשים במקובלות, אין «־ מחייב ספק בהם עצמם, אבל לפעמים היו הם בעצמם אמת ואם תהיה אופן הגעתם אלינו אופן חלוש• Das kann freilich auch heißen, daß die Thatsachen, wenn auch an sich wahr, durch die Tradition getrübt seien. Das aber spräche ja gegen die Glaubwürdigkeit der Tradition, die A. b. D. gerade vertheidigen will, während naä> unserer Auffassung die Lchuld an dem Wahrnehinendcn und nicht an der Tradition liegt. *) Ein. Nam. S. 70 Text, deiitsche Hebers. S. ן 88׳ vgl. Saadia, Einunoth III. -L. 65 (ed. Leipz.).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.