Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 21)
- Language
- German
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420 Die Religionsphilosophie 'des Abraham ibn Daud aus Toledo. vermittelst einer göttlichen Offenbarung überliefert erhalten hat, deren Wahrheit aber auch durch bloße Vernunfterkenntniß erwiesen werden kann, versteht man unter geschichtlichen Glaubenslehren*) solche Wahrheiten, deren Beglaubigung sich vorzugsweise auf eine göttliche Offenbarung, oder genauer noch auf eine geschichtliche Tradition über eine, solche Offenbarung gründet. Die spekulativen Glaubenslehren oder, um uns eines in der neueren Philosophie gelaustgeren Ausdrucks zu bedienen, die Lehren der rationalen Theologie tragen vermöge ihres spekulativen Charakters das Kriterium ihrer Glaubwürdigkeit in sich selbst; die Glaub- S. 66: ״Eine langsame, langdauernde von ihrem Neuanfang ferne Bewegung ist die der Fixsterne durch die Sternburgsphäre, welche in je 36,000 Jahren einmal stattfindet". Derselbe. Naturwissenschaft S. 146: ״Gottmachte nun die Bewegung dieser himmlischen Einzelkörper in ihrem Umschwung zu der das Sein der in dieser Welt entstehenden Dinge bedingenden Mittelursache und zum schaffenden Grund für das, was unter dem Mondkreise ist; auch setzte er bestimmte Zeilen je nach ihrer Conjunktiou und Opposition zu den Graden der Sternzeichen". Das. S. 158: ״Durch diese Kraft (die geistige Kraft der Fixsterne) steigen die Formen von den Gattungen der vorhandenen Dinge in die Materie nieder"; das. S. 166 u. a. v. a. Q. Am Schluffe seines Berichtes über die Ansichten des ״Volkes" (S. 67 Text, deutsche Uebers. S. 84) bemerkt A. b. D. noch, daß die Anhänger dieser Lehre den Menschen als ״Mikrokosmus" bezeichnen, weil in ihn: alle Elemente des Kosmos: Materie und Form, Elementarkörper, Pflanzen- und Thierseele und durch seine Vernunft auch die Anlage zu einer reingeistigen Intelligenz vereinigt seien. Dieser Gedanke wird auch in der Disputation zwischen den Rechtgläubigen und den Szübia bei Schahrest. II. S. 26 ausgesprochen: ״Die menschliche Zusammensetzung ist so die vortrefflichste Zusammensetzung, denn in ihr ist eine Vereinigung der Einwirkungen der Körperwelt und der Geisterwelt vorhanden, und die Zusammensetzung der Kräfte darin ist die vollkommenste, so daß es ein Sammelpunkt der Einwirkungen der beiden Existenzen und der beiden Welteil ist (A. b. D.: קצור המציאות), und Alles, was in der Welt auseinandergebreitet, in ihm vereinigt ist" u. s. w. Die Auffassung des Menschen als Mikrokosnrus ist aber freilich auch einer der Grundgedanken der lauteren Brüder und wird von ihnen in subtilster Weise ausgeführt, vgl. Dieterici. Anthropologie 41—63. י) Em. Ram. S. 69 Text, deutsche Uebers. S. 87: אמונה אחרונה eigentlich: die aus der Erfahrung geschöpften, a posteriori erkannten, im Gegensatz zu den a priori erkennbaren spekulativen, Glaubenslehren.