Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 9)
- Language
- German
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4G8 Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledö. von einer Sehnsucht nach der jenen erhabenen Wesen innewohnenden Vollkonlmenheit ergriffen, ihnen gleich zu werden sich Wenn unsere Vermuthung, daß die philosophischen Ansichten des ״Volkes" bei 2L b. D. der Religionsphilosophie der Szabia entnommen seien, gegründet ist, so würden wir in denselben ein werthvolles Mittel zur Kontrole der anderweitigen Berichte über diese Sekte besitzen. Indem wir uns die Jdentificirung der einzelnen von A. b. D. angeführten Lehren des ״Volkes" mit den ihnen entsprechenden Ansichten der Szubia für die betreffenden Stellen Vorbehalten, wollen wir hier nur noch den Quellennachweis für die Lehre von der ״wirkenden Vernunft" und einer anderen Cm. Ram. S. 37 angeführten Ansicht zu führen versuchen. Was A. b. D. als die Funktion der ״wirkenden Vernunft" bezeichnet, wird in der Lehre der Szä-bia nach Schährestä.ni's Darstellung dem ״ersten Geist" und den ״geistigen Wesen" überhaupt, d. h. den aus Gott emanirten einfachen Substanzen zugeschrieben. Wir verweisen unter den zahlreichen Belegstellen z. B. auf Schahrest. II, 13, wo von den geistigen Wesen gesagt wird, daß sie der Wirtlichkeit und nicht nur dem Vermögen nach vollkommene, keinen Mangel in sich schließende Existenzen seien. ״Dasjenige aber, was von dem Vermöge!: zur Wirklichkeit überführt, muß eine Sache der Wirklichkeit nach sein und anderen Wesens als dasjenige, was jenes Uebergangs bedarf, denn was dem Vermögen nach da ist, geht nicht durch sein Wesen von den: Vermögen zur Wirklichkeit fort", u. s. w. Diese Lehre der Szabia wird auch von Jbn-Sina in seinem (handschriftlichen) Dorr-el-Netz!m (Mscpt. der Leidner Bibliothek Nr. 1937, angeführt von Chwolsohn II, 512) erwähnt. ״Zu ihnen (d. i. zu denen, welche der Spekulation zugethan sind) gehören die Szäbier" u. s. w. ״Zu ihnen gehören die Hunafä, die Anhänger der geistigen Wesen, d. h. der Leiter der Sterne in den Sphären. Sie leiten sich von der Religion Abraham's her und geben vor, daß dieser zu den Ihrigen gehörte. Sie behaupten, daß es unter den geistigen Wesen solche giebt, welche dem Vermögen nach existirend und eines Hervorbringers (aus dem Zustand der Möglichkeit in den der Wirklichkeit) bedürftig sind und daß die Intelligenzen einer der höheren Stufen nach jenen angehören". (Vgl. Chwolsohn Ü, 747). Danach könnte A. b. D. vielleicht seine Kenntniß der szabischen Lehre aus den Schriften Jbn-Sina's geschöpft haben, obschon 1ms weitere Aeußerungen Jbn-Sina's über den Szubismus nicht erhalten sind. Wir bemerken jedoch, daß auch die lauteren Brüder sich zu der Theorie von den geistigen Mittelwesen oder einfachen Substanzen bekannten und das oberste dieser Wesen, die erste Emanation aus Gott, die ״schaffende" oder wirkende Vernunft nannten; Dieterici, Weltseele. S. 24, Derselbe, Logik und Psycho׳- logie S. 15, 26 u. a. Möglich wäre es daher, da auch die anderen Ansichten des ״Volkes" sich Zum Theil bei den lauteren Brüdern wieder-