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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1878-01-01 · Heft 9 · p. Seite 403

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
27 (1878)
Issue
Heft 9
Article
Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
Date
1878-01-01
Page
Seite 403 (sequence 4)
Language
German
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Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. 403 maßen durch eine göttliche Eingebung die Kenntniß und den Gebrauch der sogenannten ersten Wahrheiten'), die in ihrer unmittelbarer Gewißheit eines Beweises für ihre Richtigkeit weder bedürftig noch fähig sind. Solche Wahrheiten sind z. B. der Satz, daß das Ganze größer sei als jeder seiner Theile, nach welchem wir schon das Kind, indem es von einem ihm angenehmen Gegenstände mehr verlangt, handeln sehen, der Satz des Widerspruchs und der vom ausgeschlossenen Dritten. Diese Sätze bilden die Grundlage aller unserer Erkenntniffe, von der aus wir, durch die Ergebnisse einer gesicherten Erfahrung und durch Denkoperationen zu immer höheren Erkenntnissen fortschreitend, zuletzt sogar in den Besitz der Wissenschaft, der Mathematik. Naturkunde und Metaphysik gelangen. Der Uebergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit des Vernunfterkennens ist aber eine Bewegung, die, wie jede Bewegung, mit Nothwendigkeit auf einen Urheber zurückweist. Der Urheber dieser Bewegung muß jedoch, nach einem bereits mehrfach erläuterten Satze der Bewegungstheorie, diejenige Vernunfterkenntniß, die durch ihn von der Möglichkeit zur Wirklichkeit übergeführt werden soll, auch selber in Wirklichkeit besitzen, und wenn er noch dazu als der letzte Urheber der Bewegung angesehen werden soll, so kann er diese Vernunfterkenntniß nicht von einem Anderen empfangen, sondern muß sie von Urbeginn an selber besessen haben. Man kann das Verhältniß dieser die menschliche Vernunfterkenntniß bewirkenden höheren Vernunft zur Vernunft des Menschen mit dem Verhältniß des Lichtes zur Sehkraft vergleichen. Wie die Sehkraft so ') Em. Ram. S. 37 Text, deusche Uebers. S. 47: das. S. 57 Text, deutsche Uebers. S. 78; das. S. 60 Text, deutsche Uebers. S. 70. An der ersten Stelle heißt es geradezu: ואחר כן יניעו לו כהערה אלהיח הידיעות הראשונות. Diese Ansicht über die Erlangung und unmittelbare Gewißheit der ״ersten Wahrheiten" geht auf Aristoteles zurück; vgl. Zeller. Philos. d. Griechen II, 2. Abth. S. 170,178. Vergleiche auch: Encyclopüdie der lauteren Brüder, Dieterici, Die Logik und Psychologie der Araber S. 69. 26*

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