Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829510-2870872--18319-2870898- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
462 &it Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. Freilich kommt hier erst noch die Thätigkeit des Werkmeisters hinzu, der die ihm vsrschwebende geistige Form in einem vorhandenen Stoffe zur Wirklichkeit bringt. Denken wir uns aber einen Werkmeister, der durch sein Wesen die Fähigkeit besäße, ein in seinem Geiste existirendes Bild, sobald er das dazu erforderliche Material bereit hat und alle sonstigen Bedingungen erfüllt sind, ohne Aufwendung körperlicher Kräfte und ohne an die Zeitfolge gebunden zu sein, sondern mit einem Schlage in die Wirklichkeit überzuführen '), dann haben wir eine vollkommen entsprechende Analogie dafür, wie wir uns das Herabströmen der Formen ans den immateriellen Substanzen auf die dazu qualificirten Körper zu denken haben י). Damit wäre aber zunächst nur die Denkbarkeit oder Möglichkeit solcher reingeistiger Substanzen nachgewiesen. A. b. D. schreitet daher nach dieser Erörterung zur Darlegung des, schon früher von ihm eingeleiteten, Beweises auch für das wirkliche Dasein der sekundären Geister oder Mittelwesen. Die menschliche Seele, sagt unser Philosoph, besitzt zwar von ihrer Entstehung an die Fähigkeit, Vernunfterkenntnisse zu erlangen, allein in Wirksamkeit tritt diese Fähigkeit nur allmälig und schrittweise. Der Mensch, bei seiner Geburt jeder Vernunfterkenntniß baar, erlangt zuerst ganz unabhängig von aller Erfahrung gewisserist eine einfache geistige Substanz, in welcher die Formen von allem Vorhandenen weder gehäuft noch gedrängt, gerade so liegen, wie in der Seele des Werkmeisters die Formen seiner Arbeit, bevor er sie in der Materie ausführt, sich vorfinden". ’) Vgl. Encyclopädie der lauteren Brüder, Dieterich Die Weltseele, S. 39: ״Die Vernunft ergießt diese Form auf die Allseele zeitlos, mit einem Stoß, sowie die Sonne ihr Licht auf den Mond ausschüttet". *) Wir haben diese Entwicklung mit Hinweglassung der episodischen Bemerkungen, wie sie A. b. D. einzuflechten liebt, vollständig wiedergegeben, weil sich unseres Wissens eine mit gleicher Klarheit ausgeführte Darstellung dieser für die Kenntniß der arabischen und jüdischen Philosophie so wichtigen Theorie kaum noch anderswo finden dürste.