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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1878-01-01 · Heft 9 · p. Seite 391

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
27 (1878)
Issue
Heft 9
Article
Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
Date
1878-01-01
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden). 391 Es ist auch schwer anzunehmen, daß die christlichen Abessinier, welche nach Jemen gegangen waren, um die angeblich von den Juden bedrückten Christen von Nedschera» zu rächen, es geduldet haben würden, daß jüdische Gefangene in Abessinien heidnische Volksstämme zun! Judenthuni bekehrten und eine selbstständige Herrschaft im Lande stifteten. Auch daß die Falaschas Priester haben, welche die Functionen der Cohanim ausüben, aber nicht ahronidischer Abstammung sind und sogar gewählt werden, sowie die Beibehaltung der biblischen Reinigungsgesetze und einer Art Opfer, endlich die große Ausbildung und Verbreitung des Nasiräerthums spricht dagegen, daß ihnen das Judenthum erst im 6ten Jahrhundert aus Arabien gebracht sei. Das Judenthuni in Abessinien ist sicher uralt; wird doch von manchen Schriftstellern dessen Ursprung sogar in die Zeit der Propheten, insbesondere des Jeremias zurück datirt. Es mag auch sein, daß die Stellen der alttestamentarischen Prophetie, in welchen von der Golah in Kusch die Rede ist, auf solche Juden zu beziehen sind, die nach Abessinien verschlagen waren, und deren Nachkommen von den Colonisten Alexanders dort noch vorgefunden wurden. Mögen übrigens die Juden früher oder später nach Abesmein gebräuchliche Beschneidung der Mädchen ausüben. Mag nun dieser Gebrauch noch so sehr durch klimatische Einflüße oder durch die physiologische Entwickelung der dortigen Menschenrasse geboten sein, so würde derselbe, dem strengen Verbote des Talmud gegenüber, von den südaradischen Bekehrern schwerlich geduldet sein. Ich will übrigens hier beifügen, daß die abessinischen Juden bei der Beschneidung der Knaben die P'riah üben, während die christlichen Abessinier, wie alle übrigen nichtjüdischen Völker, welche die Beschneidung eingeführt haben, die P'riah nicht vornehmen. Die Frage hinsichtlich der Zeit, zu welcher die Falaschas die Bibel, welche sie nur in der altnthiopischen Geez-Sprache besitzen, erhalten haben mögen, würde zu weit abführcn, als daß sic hier näher erörtert werden könnte.

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