Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829510-2870871--18306-2870886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
390 Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden). hätten nämlich einen Theil der heidnischen Stämme der Agau's zum Judenthum bekehrt, und seien die jetzigen Falaschas die Nachkommen dieser Agau's und deren Bekehrer 1). Gegen diese Annahme spricht indessen der Umstand, daß die Falaschas gar keine Kenntniß des Talmuds auch nicht der Mischnah, ebensowenig von Channukha und Purim haben, über- Haupt nur die Vorschriften der Thora mit einigen Abweichungen befolgen a). Mochten nun die himyaritischen Juden von der Mischnah und Gemara noch so wenig wissen, so können ihnen doch die Vorschriften der mündlichen Lehre nicht ganz unbekannt geblieben sein. Es ist dies um so undenkbarer, als einerseits die südarabischen Juden erst kurz vor ihrer Niederlage zum Judenthum bekehrt worden waren, und Proselyten recht eifrig zu sein pflegen, und andererseits ihre Bekehrung wahrscheinlich durch nordarabische Juden erfolgt ist, und sie vielleicht auch mit den palästinensischen Juden und dem Patriarchat zu Liberias in Verbindung standen* *). *) Leider hat Halevy bei der Belagerung von Paris seine hauptsächlichsten, in Abessinien gesammelten, Notizen, verloren, so daß er nur verhältnrßmäßig Weniges über die Falaschas und insbesondere über deren Geschichte veröffentlichen tonnte. Sein kürzlich erschienenes 01סדר ד!פל הפלשים zeigt übrigens, daß die Falaschas wirklich Juden und nicht, wie wohl zuweilen angenommen, eine christliche, judaisirende Secte sind. *) Auch der Gebrauch der Zizith, der Tephillin und der Mesusoth, welcher, obwohl in der Thora angedeutet, doch wohl erst spät in Palästina zur praktischen Geltung gekommen zu sein scheint, ist den abessinischen Juden unbekannt, wenigstens bei ihnen nicht eingeführt. 8) Die Bekehrung der südarabischen Könige Tobban und D'hu Nowas und deren Unterthanen zum Judenthum wird dem Einflüsse der Juden von Chaibar und Jathrib in Nordarabien zugeschrieben. Mochten diese nun ihren Ursprung auf eine noch so frühe Zeitepoche vielleicht auf die Auswanderung der Simeoniten zu Chiskiahus Zeiten zurückführen, auf jeden Fall hatten sie Verbindung mit ihren Glaubensbrüdern in Palästina und Babylon, sowie mit deren Hochschulen und hatten demnach Kenntniß der nachbiblischen Vorschriften. Es ist ferner zu bemerken, daß die Falaschas die in Abessinien nllge-