Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 10)
- Language
- German
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370 Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. denjenigen nicht, die, wie die Engel, gleichfalls von ewiger Existenz sind, die Wahrheit der Existenz zuerkannt werden. Denn bei diesen liegt der Grund der Ewigkeit ihrer Existenz nicht, wie bei Gott, in ihrem Wesen, sondern außerhalb desselben, in Gott, der als die alleinige Ursache aller Dinge auch ihnen die Wirklichkeit der Existenz verleiht. Wenn wir daher im Allgemeinen unter der Wahrheit einer Aussage deren Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit verstehen, so trifft die Wahrheit der Existenz auf Gott in unvergleichlich höherem Sinne als auf irgend ein anderes Wesen zu. Das Attribut der Wahrheit erweist sich somit gleichfalls als eiu negatives, denn sie bedeutet nichts Anderes als die absolute Unabhängigkeit seiner Existenz. Auch das Attribut des Lebens, das wir Gott zuschreiben, läßt sich in gewissem Sinne auf die negative Bedeutung der Unvergleichlichkeit zurückführen * *). Wir legen nämlich Gott das Attribut des Lebens bei, entweder weil er das vollkommenste unter allen Dingen ist und die vollkommeneren Dinge Leben besitzen, insofern wäre das Attribut des Lebens ein relatives Attribut; oder weil er als die alleinige Ursache aller Dinge auch die Ursache des Lebens sein inuß, als solche aber auch selber nicht ohne Leben sein kann; das ist die negative, mit seiner Unvergleichlichkeit (als alleiniger Ursache) identische Bedeutung des Attributs: Leben *). Das Attribut des Wissens, aus Gott angewendet, drückt die völlige Unabhängigkeit Gottes von allem Materiellen aus. Das Materielle oder Stoffliche nämlich bildet die Schranke sowohl unserer Sinneswahrnehmung wie unserer Denkthätigkeit. Die Hemmungen und Trübungen unserer Sinneswahrnehmung, die ja stets auf eineil materiellen Gegenstand gerichtet ist, sind auch '1 Vgl. oben S. 388. Anmerk. 2. *) Em. Ram. S. 55 Text; vgl. dagegen Kaufmann Attributenlehre S. 354.