Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Religionsphilosophie des Abrah am ibn Daud ans Toledo. 315 ihrem Gegensatz liegenden Mängel und Unvollkommenheiten von Gott auszuschließen 1). Daß die strenge Konsequenz des mutazilitischeu ״Einheilsbekenntnisses" dem Streben Saadia's, für den monotheistischen Standpunkt des Judeuthums eine philosophische Grundlage zu gewinnen, schon an sich eine willkommene Unterstützung bot, ist leicht einzusehen; aber auch dem in ihm so stark hervortretenden Zuge zur Polemik mußte diese scharf ausgeprägte Lehre sich als ein geeignetes Mittel empfehlen zur Bekämpfung des christlichen TrinitäLsglaubens einerseits, sowie andererseits der auch von den Karäern angenommenen Theorie von den wesenhaften Attributen Gottes *). Die Auffassung der Attributenlehre, der wir bei Saadia begegnen, hat aber auf die Behandlung dieses Pro- י) Das. 1, S. 94, י) Vgl. Emunoth wc-Deoth II, S. 45 ed. Leipz. Ueber die karäische Lehre von den wesenhaften Attributen handelt der karäische Schriftsteller Llhron ben Elia in seinem Ez-Chajim Kap. LXVII. (ed. Delitzsch. Leipzig 1841). Gegen den Trinitätsglauben des Christenthums polemistrten auch die Mutaziliten, vgl. Pococke. Specimen historiae Arabum pag. 216: Infidelitatis argunntur christiani, quod tria statnunt aeterna, quid ergo de iis pronuntiandum, qui septem aut plura statnunt. Einer besonderen Erklärung dafür, warum Saadia nicht, wie gegen das Christenthum, so auch gegen den Islam polemisire (Kaufmann a. a. O. S. 83 ffg.), bedarf es unserer Meinung nach nicht. Saadia bekämpft auch in seiner gegen das Christenthum gerichteten Polemik nicht die religiösen Anschauungen als solche, sondern nur die wissenschaftliche Theologie des Christenthums, die spekulative Auffassung des Trinitätsglaubens: die vulgäre Auffaffung der Trinitätslehre hingegen will er, wie er ausdrücklich bemerkt, auf sich beruhen lassen Emunoth II. S. 45: ואינני מכווץ בתשובה הזאה עמי הארץ שבהכם, כי הם אינם יודעיכם כי אם השלוש המוגשם בלבד, ולא אטריד ספרי כחשובתכ״ן מפני שהוא מבואר ונקל, אכל אכוון להשיב אל חכמיהם, אשר חושבים שהם מאמינים בשלשח בעיון ובדקות תמנה. Ebenso bezieht sich seine Polemik am Ende des achten Buches lS. 128) auf die wissenschaftliche Bibelexegese des Christenthums. Saadia bleibt also nur seiner Tendenz treu, wenn er sich auch jeder Polemik gegen die vulgäre Auffassung des Islam enthält. Den aus dem Islam hervorgegangenen wissenschaftlichen Bestrebungen aber wendet Saadia ja seine Aufmerksamkeit in ungewöhnlich hohem Maaße zu.