Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der fünfzigste Psalm
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
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290 Der fünfzigste Psalm, Ungewißheit zu lassen, daß der Sänger im dritte» Verse einen Wunsch aussprechen wollte, hat er die Optativ-Negation mir!ואי angewendet, und hat damit zeigen wollen, daß er das voraufgehende Verbum יבא אלהינו, und die nachfolgenden ׳אש לפניו תאכל und auch יקרא אל השמים in demselben Sinne zu verstehen seien. Also ein eklatanter Widerspruch: einmal historisch דבר ו.יקרא ארק und das andere mal optativisch יקרא אל השמים ... ואל הארק,. Diesen Widerspruch hat nur Hupfeld in seiner ganzen Schärfe erkannt. Ewald, der Grammatiker, dagegen hat ihn entweder nicht erkannt oder hat leichten Herzens sich darüber hinweggesetzt, indem er die Verschiedenheit der Formen Mi und יבא als gleichwerthig aufgefaßt und beide als Zeit der Gegenwart verwischt hat. Hupfelds Vorschlag, diesen Widerspruch, von welchenr das Verständniß des ganzen Inhalts beherrscht ist, zu lösen, zeugt indeß von Desperation. Er bemerkt ganz richtig zum V. 3 ״ יבא אלהינוSchwer zu erklären ist die Optativsorm des ersten Gliedes, die man bisher ziemlich übersehen und frischweg לא -- אל genommen hat, die Imperff. aber, wie die ganze Scene, als Praesens". Aber wie kam Hupfeld dariiber hinweg? ״Ich vermuthe" meint er, ״daß beides zusammen (יבא ואל יהרש) eine gangbare Formel der Aufforderung an Gott zum Einschreiten war". Das heißt aber den Psalmisten herabsetzen, daß er eilte Formel entlehnt haben sollte, welche in den Zusammenhang seines Gesanges nicht paßt, ja ihn verworren macht. Denn wie soll nur das darauffolgende אש לפניו תאכל, ebenfalls in Impert.-Form, verstanden werden? Als Tempus der Vergangenheit oder als Optativ? Doch dieses erscheint noch als Kleinigkeit, als Silberstecherei gegen die Schwierigkeit, welche in der poetischen Logik des Psalmisten liegt. Wie sollen wir utls denn den Rahmen zu dem Bilde denken? Der Sänger soll erzählen — so ist die gewöhnliche Annahme —, daß Gott in majestätischer Theophanie — wie einst auf dem Sinai — sich offenbart und in erhaben feierlicher Weise zweierlei