Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 14)
- Language
- German
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$>ie Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo, 27S und irdische Strafe hinzuweisen pflege; daraus dürfe jedoch nicht der Schluß gezogen werden, die Schrift wisse überhaupt Nichts von einer Fortdauer der Seele und einer Vergeltung nach dem Tode. Man muß die Schrift, um ihr gerecht zu werden, nach ihrem Geiste und der ihr zu Grunde liegenden Tendenz beurtheilen. Ihrer Grundtendenz nach sei es aber der Schrift nicht so sehr um eine Aufklärung über spekulative Fra-, gen zu thuu, für die ja doch nur ein geringer Bruchtheil unter den Menschen wirkliches Verständniß besitze, als vielinehr um eine, auf das Volk in seiner Gesammtheit berechnete, sittliche Unterweisung. Wie der Arzt, in dessen Behandlung zugleich Schwer- und Leichterkrankte sich befinden, es für seine Pflicht halten wird, seine Sorgfalt vorwiegend den Schwerererkrankten zuzuwenden, so müsse auch die Schrift in ihrem Heilverfahren für die Seelen*) mehr auf die Unterweisung des Volkes, als auf die Belehrurrg der wenigen auserwählten Geister Rücksicht nehmen; darum sei sie auch genöthigt, sich einer dein Volke zugänglichen und leicht verständlichen Ausdrucksweise zu bedieneu. Gleichwohl fehle es aber auch nicht an Stellen, aus denen der Glaube an eine Fortdauer der Seelen nach dem Tode deutlich hervorgehe. Wenn es z. B. von Chanoch (Genes. 5, 24) heiße: ״Und Chanoch wandelte mit Gott, und er war nicht mehr, denn Gott hatte ihn g e n o m m e n", so kann mit diesem so feierlichen Ausdruck doch nicht ein gewöhnlicher Tod gemeint sein, sondern die Schrift will darunter ohne Zweifel ein übernatürliches Scheiden aus dieser Welt und das Eingehen in eine andere Welt verstanden wissen, in der Weise, wie es z. B. ausdrücklich vom Propheten Elia berichtet wird. (II. Könige 2, 3. 5.10.) An beiden Stellen wolle die Schrift mit diesem Ausdruck sagen, daß diese Männer von Gott zum Lohn für ihre Frömmigkeit ') Vgl. Em. Ram. IH. Hauptabschnitt.