Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829507-2870687--18172-2870732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
274 Die Religionsphilosophie des Abraham ihn Daud aus Toledo. man aber, um diesem Einwande zu begegnen, die Seelemvanderung so auffaffen, daß die Uebertragung einer bestimmten Seele nur auf einen bestimmten, ihr genau entsprechenden Leib stattfinden soll — dann würde diese Seele nämlich auch die Entelechie dieses Leibes sein —, so wäre damit eigentlich der Begriff der Seelen Wanderung schon so gut wie aufgehoben, denn in diesem Falle würde ja die Seele gar nicht mehr auf ein anderes Individuum übergehen, sondern ein zeitweilig aus der Sinnenwelt zurückgetretenes Individuum käme dadurch nur wieder zur Erscheinung. Aber auch so aufgefaßt muß die Lehre von der Seelenwanderung als eine nicht nur aller Ersahrung sondern auch den Denkgesetzen widersprechende Annahme zurückgewiesen werden '). In dem der Besprechung der einschlägigen Schriftstellen gewidmeten Anhang zu diesem Abschnitt erörtert A. b. D. die Stellung des Judenthums zu der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele und der Vergeltung nach dem Tode. Wie vor ihm schon Saadia, so vertheidigt auch er die Schrift gegen den in alter wie in neuerer Zeit so oft wiederholten Vorwurf, als sei der Gedanke an eine Fortdauer der Seele nach dem Tode und an eine jenseitige Vergeltung ihr überhaupt fremd geblieben*). Es sei zwar zuzugeben, daß die heilige Schrift, wo von Belohnung und Bestrafung die Rede sei, gewöhnlich nur auf irdischen Lohn ') Em. Ram. S. 93 Text, deutsche Uebers. S. 49. Auch Saadia bekämpft (Emunoth we-Deoth VI, S. 193, ed. Leipz.) die Seelenwanderung auf das Entschiedenste, wie es scheint deshalb, weil mit der Annahme der Seelenwanderung die einer jenseitigen Belohnung und Bestrafung überflüssig würde. In der Thal findet sich auch diese Konsequenz bei den Schiiten. Schahrest. I. S. 170: ״Seine Anhänger (des Schla), die Thoren, beteten ihn demnach an und läugneten die Auferstehung, weil fie glaubten, daß die Seelenwanderung in der Welt und der Lohn und die Strafe bei diesen Persönlichkeiten stattfinde". Dasselbe lehrte nach Schahrest. II, 75 auch eine Sekte der Szabier, die Charbänlja. *) Emunoth we-Deoth VII. S. 131, ed. Leipz.